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Bericht zur Erkundung in der Pfarrei der Zukunft Neuwied

Wahrnehmungen/Erwartungen/Ängste/Chancen

Schon bei den ersten Veranstaltungen wurde deutlich, dass es sehr unterschiedliche Erwartungen an den Erkundungsprozess gab. Die Gründe dafür sind vielfältig. Dabei spielen unterschiedliche Einstellungen zur Synode im Bistum (2013 – 2016) eine wichtige Rolle. Sehr unterschiedlich sind die Ergebnisse wahr und aufgenommen worden. Einige Gesprächsteilnehmer haben während der Synode selbst aktiv mitgearbeitet und konnten so ihre Sichtweise und „Lernwege“ unmittelbar einbringen.

Positiv haben wir im Team die Offenheit wahrgenommen, die uns von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern im Dekanat, den Pfarreiengemeinschaften, einzelnen Gemeinden oder Institutionen entgegengebracht wurden. Das gilt auch für die Gesprächspartner in den Kommunen. Vielfach wurde uns ausdrücklich für das Interesse von Kirche an der angefragten Einrichtung gedankt.

Das Interesse daran, wie die Ergebnisse der Synode umgesetzt werden können mit Ausrichtung auf eine diakonische und missionarische Kirche vor Ort war mal mehr, mal weniger spürbar. Oft war dieses Interesse von einer unverkennbaren Skepsis bzw. von Ängsten und Widerstand begleitet. Die Implementierung des sozialräumlichen Ansatzes als handlungsleitender Impuls für pastorale Arbeit, den die Synode beschlossen hat (SIEHE SYNODENDOKUMENT „HERAUS GERUFEN“ 4.1.1), steht erst am Anfang und bedarf der weiteren Entwicklung. Die Frage, welche Ziele die Erkundung konkret verfolge, tauchte immer wieder auf. Dabei stellte sich spätestens beim Rendezvous in Waldbreitbach im August 2018 heraus, dass die angestrebte Themenfindung als Teil einer transparenten und partizipativen Erkundung nicht die Erwartung einer Mehrheit der Teilnehmer betraf. Sie interessierte vor allem die Zukunft ihrer, zum Teil seit langer Zeit bestehenden Gemeinde. Fragen wie z.B.: „Was ist mit unserer Pfarrei?“, „Wie geht es weiter?“ belegen dies. Die Erwartung, bei dieser Veranstaltung auf diese virulenten Fragen Antworten geben zu können, mussten enttäuscht werden und trugen zu einem schleppenden Einstieg in das Projekt „Erkundung“ bei.

Ganz wichtig war in der Regel allen Gesprächsteilnehmern während unserer Begegnungen der Kommunikationsprozess selbst. In den Gesprächen stellte sich heraus, wie bedeutsam die Transparenz in der Erkundung und auf dem Weg in die Zukunft der Pfarrei ist und sein wird. Für uns hieß das: Mit allen, die daran Zeit und Interesse fanden, in einer Haltung des Zuhörens und Aufeinander-Zugehens im sozialen Raum tätig zu werden. Hierzu dienten auch die Workshops, die wir angeboten haben. Bei diesen wurden Methoden der Erkundung vorgestellt und praktisch eingeübt (Interviews, Expertengespräche, Begehungen). Erkundungsthemen wurden je nach Interesse der Teilnehmenden ausgewählt und entsprechend bearbeitet.

Unsere Erwartungen nach dem Start im August 2018, mehrere lokale Miterkunder auf Dauer zu finden, hat sich nur bedingt erfüllt. Die Teilnehmerinnen an den verschiedenen Workshops kamen ausschließlich aus dem binnenkirchlichen Bereich, d.h. angesprochen fühlten sich ausschließlich Frauen, die schon lange und intensiv, hauptamtlich oder in verschiedenen Gruppen in der Kirche tätig waren und sind. Einige von ihnen haben sich als lokale Miterkunder über Monate sehr engagiert, andere haben sich wieder ausgeklinkt. Zeitliche Beanspruchungen, Krankheit oder auch andere Prioritätensetzungen spielten hier eine Rolle. Im Hinblick auf die Umsetzung von Synode im Bistum Trier überwog in vielen Gesprächen eher die Skepsis und die Sorge um das weitere kirchliche Leben in den territorial verfassten Einheiten. Ängste, die z.B. mit den Stichworten „zu weite Wege“, „Beheimatung geht verloren“, „Anonymität wächst“, „Überlastung des Ehrenamtes“ umschrieben wurden, wurden benannt.

Es wurden aber auch Chancen, vor allem von Institutionen benannt, die ausgedrückt wurden in Schlagworten wie: „mehr Kompetenz für Ehrenamtliche“, „Kirche wird vielfältiger“. Eine weitere Chance wird aber in jedem Fall die Weiterentwicklung des sozialräumlichen Sehens und Handelns sein, wie sie schon an vielen Stellen des jetzigen Dekanates praktiziert wird (SIEHE Z.B. ERSTELLUNG SOZIALATLAS DURCH DEKANATSRAT; 1. FORTSCHREIBUNG MÄRZ 2017) Mehr dazu: in der Dokumentation

Ergebnisse und Perspektiven

Aus den Begegnungen und Gesprächen möchten wir sieben Ergebnisse bzw. Konsequenzen für den Weg in die Pfarrei der Zukunft und ihre Entwicklung herausgreifen

  • „Nähe“ herstellen

    In verschiedenen Interviews und Expertengesprächen haben wir gehört, dass die Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen die Erwartung an Kirche haben, persönliche Ansprechpartner zu finden. Die Gespräche „face to face“ bleiben unverzichtbar und sind durch keine 24StundenHotline zu ersetzen. Das gilt insbesondere für Ratsuchende, wie zum Beispiel in der Begleitung von Schwerkranken oder in Trauerfällen.

    Vor allem im ländlichen Raum wird dieser Wunsch sehr deutlich formuliert, sei es von der Mitarbeiterin im Pflegestützpunkt oder von der kommunalen Seite in Gestalt des Verbandsbürgermeisters, in dessen Verbandsgemeinde eine Kümmerin arbeitet, die Kontakt zu Menschen (ca. 200 Hausbesuche im Jahr) in den einzelnen Orten hält. Auch von ehrenamtlichen kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird dieser Wunsch sehr deutlich formuliert, um damit einer weiteren Entfremdung und Anonymisierung entgegenzuwirken und Seelsorge erleb und erfahrbar zu halten.

  • „Die Sorge um den Menschen“

    In der Pfarrei der Zukunft Neuwied haben wir ein breit gefächertes Angebot an sozialen Einrichtungen vorgefunden, die ein gemeinsames Ziel haben: die Sorge um den Menschen. Ob in Kita oder Job-Center, Caritas-Einrichtung oder Mehrgenerationenhaus: in all ihrem Tun wurde deutlich, wo der Fokus des Handelns liegt: die Begleitung der Menschen vor Ort – angelehnt an ein weites Netzwerk mit vielfältigen Kompetenzen und Partnern. Einen besonderen Schwerpunkt bilden in diesem Territorium die Einrichtungen, in denen Menschen mit Einschränkungen leben und arbeiten. Sie bilden einen erheblichen Anteil an Kunden, Bewohnern und Mitarbeitern und bilden wertvolle Orte von Kirche ab.

    Beeindruckend war der wertschätzende Umgang untereinander und miteinander. Hier wird diakonische Kirche greifbar, erlebbar. Nächstenliebe ist nicht an Zugehörigkeiten oder Voraussetzungen gebunden, wenn sich kirchliche Gemeinschaft im Dienst an den Menschen versteht. Diese Orte nicht nur als Einrichtungen in der Pfarrei der Zukunft zu sehen, sondern gemeinsam mit ihnen diakonische und missionarische Kirche zu bauen und zu leben, kann neue Zukunftsperspektiven eröffnen.

     

  • Ökumene

    Vor allem in der Stadt Neuwied sind viele christliche Konfessionen und auch andere Religionen vertreten. Der ökumenische Aspekt spielt hier – vielleicht sogar für das ganze Bistum Trier – eine besondere Rolle. Vielfältige Begegnungen, Gottesdienste, Veranstaltungen belegen dies. 16 Gemeinden und 3 Gastgemeinden bilden die ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Neuwied). Im Hinblick auf eine diakonisch-missionarische Gemeinde können von hier Impulse für eine offene und auf Augenhöhe basierende Zusammenarbeit ausströmen. Toleranz und Akzeptanz können zu wichtigen Eigenschaften für die neue Form der Pfarrei der Zukunft Neuwied werden. Im Synodendokument heißt es dazu: „Ausgehend vom Gebet Jesu Christi um die sichtbare Einheit seiner Jüngerinnen und Jünger orientiert sich das Beten und Handeln an einem ökumenischen Miteinander aller Getauften und an verbindlichen strukturellen Beziehungen der Kirchen.“[HERAUSGERUFEN, KAP. 3 HALTUNGEN UND KULTUR - Volltext im PDF]

  • Geistliche Zentren

    In der Pfarrei der Zukunft Neuwied sind einige geistliche Klostergemeinschaften beheimatet, die ins Territorium ausstrahlen. Neben ihrem sozialen Auftrag bilden sie Geistliche Zentren, die in die Fläche hineinwirken. Fachliche und geistliche Kompetenz sind hier vorhanden. Unserer Meinung nach könnte es hier zu weiterer Zusammenarbeit und Kooperation kommen, um diese Orte als „besondere“ Orte für neue und andere Kirchenerfahrungen fruchtbar für die Menschen zu machen.

  • Vorbild Kommune

    Die Pfarrei der Zukunft kann von den Erfahrungen in den Kommunen lernen: Bei der Verwaltungsreform auf der Ebene der Verbandsgemeinden stellte sich die Frage nach der Identität und Selbstständigkeit der bestehenden Gemeinden. Das Prinzip der Eigenverantwortung galt es soweit wie möglich zu wahren. Auch unsere kirchlichen Gemeinden vor Ort wünschen sich in vielen Fällen Eigenverantwortung und Entscheidungen vor Ort. Sehr bedeutsam scheint uns als Erkundungsteam zu sein, dass in vielen Kommunen die diakonische Dimension ihrer Arbeit in der Stadt und auf dem Land gesehen und gefördert wird. Innovative Projekte unterstützen und fordern die Menschen in ihren Lebensbedingungen heraus. Hier bieten sich über die Caritas für die Pfarrei der Zukunft hinaus nachhaltige Chancen der Kooperation
    [SIEHE KÜMMERIN ODER SENIORENBEAUFTRAGTER IN DER VERBANDSGEMEINDE LINZ - in der Dokumentation].

    Eine weitere wertvolle Erfahrung für uns als Erkundungsteam war die Aussage kommunaler Vertreter, dass sie sich „Kirche als starken Partner“ wünschen. Auch hier liegt wohl für die kommenden Jahre Potential, das noch gehoben werden kann.

  • Stadt - Land

    Sicherlich nicht neu ist die Erkenntnis, dass die Pfarrei der Zukunft Neuwied städtische wie auch ländliche Anteile hat. In beiden Bereichen gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen bezüglich sozialer und kirchlicher Gegebenheiten. Diesen unterschiedlichen Gegebenheiten im synodalen Umsetzungsprozess Rechnung zu tragen, wird wesentlich zum Gelingen des „Vorhabens Synode“ beitragen.

  • Netzwerke

    Es gibt bereits vielfältige Formen der Kooperation im Raum der Pfarrei der Zukunft Neuwied. Zukunftsweisend ist sicherlich die vertrauensvolle und intensive Zusammenarbeit mit der Caritas. In verschiedensten Projekten ist die Caritas „mit am Tisch“ und bringt ihr Knowhow in die entsprechenden Prozesse ein. Beispielhaft sei hier die „Kleine Liga“ oder auch die Zusammenarbeit mit dem Job-Center genannt. Aber auch die vielfältigen Dienste, die die Caritas anbietet, bieten Menschen Raum und Kompetenz, in schwierigen Lebenslagen in christlicher Hinsicht begleitet und unterstützt zu werden.

    Für die Entwicklungsphase der Pfarrei der Zukunft ist wichtig festzuhalten, dass Erkundung in diesem Kontext nur exemplarisch erfolgen konnte. Um nachhaltig zu wirken, muss der Weg mit eigenen, neuen Impulsen der Expertinnen und Experten vor Ort fortgesetzt werden. Erkundung, erkundend im Sozialraum agieren, ist in verschiedenen Settings der Pfarrei der Zukunft Neuwied schon jetzt handlungsleitendes Instrument. Ein Studientag der Hauptamtlichen des Dekanates im Januar dieses Jahres unterstreicht das Wirken in diese Richtung. Durch das Projekt des Bistums konnte vielleicht neues angestoßen werden. Im sozialen Raum weitet sich das Blickfeld. Für eine diakonisch und missionarisch ausgerichtete Pfarrei der Zukunft sind die „lokalen Kirchenteams“ von zentraler Bedeutung. Initiativen wie „Lokale Kirchenentwicklung“ zeugen von genau dieser Praxis, die Leben und Engagement vor Ort fördern und gestalten.

  • Haltung

    Wir wollten von Beginn an „lernende Erkunder“ sein und hoffen, dass dies gelungen ist. Bereit sein zu hören: „Was bewegt Menschen wirklich?“, „Welche Bedürfnisse haben sie?“ bleibt im Übergang zur Pfarrei der Zukunft und in ihrem späteren „Innenleben“ eine lohnende Aufgabe.

    Zur Erkundung gehört unserer Meinung auch, wertschätzend wahrzunehmen, dass es bereits viele gute Ideen und Initiativen gibt.

    Viele Menschen in der Pfarrei der Zukunft Neuwied machen sich Gedanken, wie Gemeinde, wie Kirche vor Ort aussehen und gestaltet werden kann. Der Prozess des Erkundens braucht Zeit: Zeit, sich auf den Weg zu machen, aber auch Zeit, in einem Territorium „Fuß“ zu fassen, “heimisch“ zu werden, Kontakte knüpfen zu können.

    Nach jetzt über einem Jahr und punktuellen Begegnungen, tun sich immer wieder neue Türen auf, durch die es sich lohnt, zu gehen und erkundend unterwegs zu sein.

    Als Beispiel sei eine Initiative bei den Waldbreitbacher Franziskanerinnen genannt, die den Schöpfungsgedanken thematisiert oder für den Bereich „Soziales“ ein Besuch bei der Lebenshilfe Neuwied zum Thema „Inklusion“.

    Die Neugier, der Mut Neues zu wagen oder aber auch das Lernen von Erfahrungen, die anderswo gemacht werden, können so zu einer Bereicherung beitragen, die hilft, Wege zu suchen, Wege zu finden, die in die Zukunft führen [SIEHE MEMO 31 „VOR ORT LEBT KIRCHE“ in der Dokumentation].