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Bericht zur Erkundung in der Pfarrei der Zukunft Adenau-Gerolstein

 

„Alles was wir hören ist eine Meinung, keine Tatsache.

Alles was wir sehen ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.“

MARCUS AURELIUS

Zum Begriff "Pfarrei der Zukunft"

Die vorliegenden Dokumentationen beziehen sich auf die „Pfarrei der Zukunft“, wie sie durch den Prozess der Raumgliederung von 2017-2018 umschrieben wurde.

Aufgrund der Aussetzung des Gesetzes zur Umsetzung der Ergebnisse der Diözesansynode von 2013-2016 durch die Kleruskongregation und die anstehende Überarbeitung des Gesetzes wird dieser Raum nicht als kanonische Pfarrei (nach can 515 cic) errichtet.

Trotzdem werden wir die Bezeichnung „Pfarrei der Zukunft“ in den Erkundungsberichten beibehalten, da dieser Begriff in den vergangenen Jahren ein Arbeitstitel für die neu zu gründenden Räume war. Ebenso wäre es ein sehr hoher redaktioneller Aufwand, dies in den vorliegenden Dokumentationen zu verändern, da der Redaktionsschluss vor den Gesprächen des Bischofs mit der Kleruskongregation und dem päpstlichen Rat für die Gesetzestexte lag.

Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse und Wahrnehmungen

Ausgangslage

Das beschriebene Territorium der vorgesehenen Pfarrei der Zukunft Adenau-Gerolstein ist Ergebnis einer neuen Raumgliederung des Bistums Trier in der Folge der Synode. Der zum Zeitpunkt der Erkundung vorliegende Zuschnitt des Territoriums, die Frage des Pfarrortes und die Neuordnung der Vermögensverwaltung trafen auf starken Widerstand in weiten Teilen der davon Betroffenen.

Diesen Widerständen und auch Ablehnungen sah sich das diözesane Erkundungsteam während der gesamten Erkundungsphase gegenüber. Deutlich wurde dies bei einem ersten Treffen mit der Runde der Hauptamtlichen der Pfarrei der Zukunft Adenau-Gerolstein, das mit dem Ergebnis eines zweiten zu verabredenden Treffens endete. Die genannten Problemfragen wurden auch sehr massiv beim „Rendezvous im neuen Raum“, das eine Info-Veranstaltung zur Erkundung war, sowie den ersten beiden Miterkunder-Treffen thematisiert, mussten aufgegriffen und wiederholt bearbeitet werden. Obwohl beim „Rendezvous im neuen Raum“ eine relativ hohe Teilnahme von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen festzustellen war, fand sich nur eine kleine Gruppe, die an den Miterkunder-Treffen teilnahm.

  • Miterkunder-Treffen

    Die Miterkunder-Treffen waren zum einen geprägt durch notwendige Informationen zur Synode und zur Erkundung, zum anderen von der Vermittlung von Methoden zur Sozialraumerkundung und deren Ausprobieren sowie von der persönlichen Auseinandersetzung mit der Synode und ihren Konsequenzen. Es ergaben sich ein Erkundungsprojekt in Kerpen/Eifel sowie ein von Miterkunderinnen begleiteter Besuch im Mehr- generationenhaus in Gerolstein. Angestoßen durch den Beginn der Erkundungsphase entschloss sich der Pfarrgemeinderat Steffeln bereits im Vorfeld der Treffen zu einer Befragung von Mitgliedern der Pfarrgemeinde im Rahmen eines Basars in Steffeln. Die Auswertung fand nicht im Rahmen der Erkundung statt.

  • Erkundung in Kerpen Eifel

    Dieses Projekt wurde bei einem Miterkunder-Treffen als Erkundungs-Möglichkeit benannt. Zwei Praktikantinnen des Studiums der Religionspädagogik machten diese Erkundungs-Idee zu ihrem Praktikumsprojekt. Sie wurden dabei von  ihren Praktikumsanleitern,  den  Gemeindereferenten Philipp Hein und Matthias Beer, begleitet und konzeptionell unterstützt.

    Die Erkundung in Kerpen mit einem besonderen Fokus auf dem Jugendhaus in Kerpen führte dazu, dass  sich eine Runde von Jugendlichen und jungen Erwachsenen bildete, die Angebote im Jugendhaus Kerpen gestalten und verantworten möchte.

    Hier wurde deutlich, wie ein offenes und methodisches Zugehen in einen Sozialraum hinein lebensrelevante Themen zu identifizieren sowie Betroffene zu motivieren und zu aktivieren vermag, so dass sie selbstverantwortlich die Umsetzung ihrer Interessen in die Hand nehmen. Im Rahmen der 72-Stunden-Aktion wurden dann in der Folge das Jugendhaus und der Außenbereich renoviert und ein Konzept zur weiteren Nutzung entwickelt.

  • Gespräche

    In vielen Gesprächen musste oft grundlegend über die Synode und ihre Ergebnisse informiert werden. Ebenso mussten vielfach Problemfragen zu den Themen Raumgliederung, Verwaltungsstruktur und Gestaltung des kirchlichen Lebens im neuen Rahmen einer Pfarrei der Zukunft an- und ernst genommen und auch besprochen werden. Das bedeutete bei Haupt- und Ehrenamtlichen in der Pastoral oft auch gleichzeitig, dass es kein Potenzial und keine Ressourcen für eine aktive Teilnahme am Erkundungsprozess gab.

    Gespräche mit Vertretern der Kommunen

    Die Gespräche mit Vertretern der Kommune verdeutlichten, dass die durch eine veränderte Demografie und knapper werdende finanzielle Ressourcen auftretenden Probleme sowohl die Kommunen als auch die Kirchen vor ähnliche Fragen stellen. Grundsätzlich findet sich eine Kooperationsbereitschaft, an die bei sozialraumorientierten Projekten und anderen Gelegenheiten angeknüpft werden kann. Es bestehen, ressourcen-und interessenbedingt, unterschiedlich intensive Kontakte zwischen kommunalen und kirchlichen Gremien oder Hauptamtlichen. (KURZDOKUMENTATION 3 UND ANLAGEN 15 BIS 18 in der Dokumentation)

    Gespräche mit Caritasverbänden

    Die Gespräche mit den Leitungen der Caritasverbände in Bad Neuenahr-Ahrweiler und Gerolstein zeigen, dass hier die Orientierung am Sozialraum als Entwicklungsperspektive wahrgenommen und immer wieder bewusst in entsprechenden Projekten als Handlungsansatz eingesetzt wird (KURZDOKUMENTATION 2 UND ANLAGEN 4 BIS 6 in der Dokumentation). So bietet sich hier eine Kooperation von Pastoral und Caritas, wie sie auch in den multiprofessionellen Erkundungsteams praktiziert wurde, bei sozialraumorientierten Projekten an.

    Gespräche mit Schlüsselpersonen und in Einrichtungen

    Bei den Kontakten im Mehrgenerationenhaus, in der Lebensberatungsstelle, mit dem evangelischen Pfarrer und der Person aus dem Bestattungsunternehmen wurde von den Gesprächspartnern immer wieder berichtet, dass sie in ihrem Arbeitsumfeld bei den Menschen, mit denen sie zu tun haben, ein großes Bedürfnis nach persönlichem Kontakt und Beziehungen wahrnehmen. Ebenso wurde deutlich, dass die Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen und -phasen (Krankheit, Sterben, Trauer, Alter, Trennung/Scheidung, Familienphase …) die Möglichkeit brauchen, bei Institutionen, Ansprechpartnern oder entsprechenden Interessengruppen Unterstützung und Begleitung zu fi nden oder sogar sich engagieren zu können. (KURZDOKUMENTATION 4 UND ANLAGEN 19 BIS 22 in der Dokumentation​​​​​​​)

  • Weitere Wahrnehmungen

    Neue Spiritualität und alternative Gottesdienstformen

    Es gibt ein Interesse an alternativen Gottesdienstformen (etwa „echt.Zeit“ in der Pfarreiengemeinschaft Adenauer Land, undokumentiert) und Spiritualität/ spirituellen Liedern außerhalb des traditionellen katholischen Liedgutes (wie etwa der Besuch eines Konzertes der Sacro Pop-Band „Spirit“ in Lissendorf zeigt, bei dem ein großes und sehr altersgemischtes Publikum anwesend war, undokumentiert).

    Haltungsänderungen hinsichtlich der Synode und der Umsetzung der Synodenergebnisse

    Bei den Menschen, die sich aktiv auf einen Auseinandersetzungsprozess mit der Synode, mit ihrer Umsetzung und mit der Erkundung eingelassen haben, veränderte sich die Haltung zu den Perspektivwechseln, zu denen die Synode aufruft, sowie zu deren Folgen für die Neugestaltung des kirchlichen Lebens in den Pfarreien der Zukunft. So wuchs die Bereitschaft, sich auf das Neue einzulassen sowie die Gestaltung kirchlichen Lebens in der Pfarrei der Zukunft anders als in den bisherigen Pfarreien gewohnt zu denken. Information und Kommunikation zur Umsetzung der Synodenergebnisse sowie die Auseinandersetzung mit dem Thema „Erkundung als Methode pastoralen Handelns“ bleiben als herausfordernde Aufgaben bestehen.