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Bericht zur Erkundung in der Pfarrei der Zukunft Wadern

Zum Begriff "Pfarrei der Zukunft"

Die vorliegenden Dokumentationen beziehen sich auf die „Pfarrei der Zukunft“, wie sie durch den Prozess der Raumgliederung von 2017-2018 umschrieben wurde.

Aufgrund der Aussetzung des Gesetzes zur Umsetzung der Ergebnisse der Diözesansynode von 2013-2016 durch die Kleruskongregation und die anstehende Überarbeitung des Gesetzes wird dieser Raum nicht als kanonische Pfarrei (nach can 515 cic) errichtet.

Trotzdem werden wir die Bezeichnung „Pfarrei der Zukunft“ in den Erkundungsberichten beibehalten, da dieser Begriff in den vergangenen Jahren ein Arbeitstitel für die neu zu gründenden Räume war. Ebenso wäre es ein sehr hoher redaktioneller Aufwand, dies in den vorliegenden Dokumentationen zu verändern, da der Redaktionsschluss vor den Gesprächen des Bischofs mit der Kleruskongregation und dem päpstlichen Rat für die Gesetzestexte lag.

Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse und Wahrnehmungen

Hier fassen wir einige wichtige Ergebnisse der Erkundung zusammen, die „sich uns gezeigt“ haben. Nach den verschiedenen Gesprächen haben wir am Ende der Erkundungsphase alle Wahrnehmungen angeschaut und gefragt: „Welche Themen werden hier sichtbar?“ Die „großen“ Themen waren schnell gefunden: Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen, z.B. Familien oder Menschen in Armut. Andere Themen zeigten sich erst auf den zweiten Blick, manchmal aus verschiedenen nicht zusammenhängenden Einzelwahrnehmungen, die sich zu einem Muster verdichteten: Das Thema „Heimat“, Menschen mit „Berufung“, der Ruf nach Vernetzung – ja, und auch jemand, der uns als Kirche einen klaren „Auftrag“ mitgab. Dies haben wir jeweils zu Themen gebündelt.

Weitere Informationen zu den Themenbereichen finden sich in den Anlagen. In den thematischen „Kurz-Dokumentationen“ finden sich darüber hinaus noch Lernerfahrungen aus dem Prozess und Hinweise zum Weiterdenken – wenn sich in den Gesprächen etwas gezeigt hat. (Diese sind jeweils im Text auf die Gesamtdokumentation als PDF-Download verlinkt)

Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen

Familie in ihrer Vielfalt und Problematik

  • Der Druck wird größer

    „Die Familien erleben eine Riesen-Belastung“, meint eine Gesprächspartnerin, und diese Aussage wird in so gut wie allen Gesprächen zum Thema bestätigt [ FAMILIE 1–5, GEMEINWESEN 2, 7]. Vor allem junge Familien befi nden sich in einer „Rushhour“ des Lebens: Sie haben wenig gemeinsame Zeit, das Geld ist eher knapp, oft müssen oder wollen beide Eltern arbeiten, das Familienleben ist schwierig zu organisieren. Immer seltener werden die möglichen drei Jahre der Elternzeit auch ausgeschöpft. Daneben wollen sie noch für eine gute Entwicklung der Kinder und ein harmonisches Familienleben sorgen. Es bedeutet viel Stress, alle Anforderungen unter einen Hut zu bringen. Bei der Befragung von Eltern in zwei Kitas wurde deutlich, dass ihr Alltag am meisten durch Zeitdruck, Arbeit, Haushalt und Stress bestimmt ist – aber fast gleichstark auch durch „Freude an den Kindern“. Zeit zusammen als Paar und für sich selbst fehlt am meisten – aber genau daraus würden sie „Kraft, Mut und Freude“ ziehen [ FAMILIE 5, 6].

  • „Wie erziehe ich meine Kinder – und wer kann mir dabei helfen?“

    Diese Frage stellt sich heute vielen jungen Familien. In der Erkundung wiesen uns Gesprächspartner immer wieder darauf hin, dass viele Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder unsicher und unselbständiger geworden sind und mehr Unterstützung benötigen [ FAMILIE 1, 2, 3, 4].

    Eine Hebamme, die Leiterin einer privaten Einrichtung für Eltern und Kinder und eine Mitarbeiterin des Familienzentrums Losheim beschrieben, dass es den Eltern ganz allgemein immer schwerer fällt, eine Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen. Auch im konkreten Erziehungsverhalten gibt es Unsicherheiten: Es fällt schwer Grenzen zu setzen, es gebe zu wenig Regeln und Rituale u.a. Selbst lebenspraktische Dinge sind manchen Eltern fremd, z.B. ein Fläschchen für das Baby zuzubereiten.

    Im Gespräch mit der Hebamme wurde außerdem deutlich, dass werdende Mütter schon in der Schwangerschaft eher verunsichert sind. Sie haben wenig Vertrauen in ihren eigenen Körper und wünschen sich immer mehr Betreuung und Beratung durch Ärzte und Hebammen und befragen außerdem ständig das Internet [ FAMILIE 1].

  • Heimat im Dorf?

    Für uns als Erkunder überraschend war die Aussage von Ortsvorstehern, dass viele junge Familien nach Ausbildung oder Studium wieder zurück ins Dorf kommen. Das Leben dort ist für sie off ensichtlich attraktiv, viele suchen z.B. auch einen Bauplatz und beteiligen sich aktiv am Vereinsleben [ GEMEINWESEN 1, 2, 3, 4, 5, 6].

    Über die Gründe müssen wir spekulieren: Liegt es an der Wohnqualität des Dorfes, an der möglichen Hilfe durch Großeltern und Verwandtschaft, an Beziehungen aus der Jugendzeit, an günstigeren Preisen oder daran, dass das Dorf „Heimat“ gibt? Das könnte das Thema weiterer Gespräche sein.

  • Familien in Problemsituationen

    Trennungen und Scheidungen, Gewalt in Familien – die Überforderung der Familien führt auch immer wieder zu familiären Problemsituationen. Das betonen u.a. Mitarbeiter/-innen des Amtsgerichts Wadern. Bei Trennungen seien die Kinder sowieso die Leidtragenden, heutzutage käme aber noch eine neue Problematik hinzu: Die nach der Scheidung oft weite Entfernungen zwischen den Eltern macht für die Kinder Kontakte und Besuche schwierig. Ein Richter erzählte auch von der besonderen Problematik bei Scheidungsfällen von Paaren mit Migrationshintergrund aufgrund von Sprachbarrieren und großen Kulturunterschieden [ GEMEINWESEN 7].

    Auch familiäre Gewalt ist immer wieder ein Thema, sie komme in allen sozialen Schichten vor. Davon berichten Mitarbeiter/-innen des Amtsgerichts, der Polizeidienststelle Nordsaarland und ein pensionierter Polizist gleichermaßen [ GEMEINWESEN 7, 8, 9].

    „Stellt euch zur Verfügung, als Gesprächspartner/innen!“ sagt ein pensionierter Polizist mit Blick auf kirchliche Mitarbeiter. Denn sie seien keine Amtspersonen, sie kosten nichts, und Betroff ene können „nur reden“ ohne gleich amtliches Handeln befürchten zu müssen. „Das war ein klarer Auftrag an Kirche“, berichten die Erkunderinnen.

  • Unterstützungsangebote vernetzen!

    Die Expertinnen und Experten halten mehr Unterstützung für Familien für sehr wichtig. Zum Beispiel durch „Elterntrainings“ für werdende oder junge Eltern, Entlastungsangebote oder Angebote zur Stärkung der Sozialkompetenz. Solche Unterstützungsangebote gibt es von mehreren Anbietern, die mehr kooperieren sollten. Gerade die Kirche habe hier viele Angebote, z.B. durch die Lebensberatung, Caritas, Familienhilfe etc. und sollte mit anderen Anbietern zusammenarbeiten und sich mehr vernetzten [ FAMILIE 3].

  • Erleben von Taufe

    Ausgesprochen schlechte Erinnerungen haben viele Eltern an die Taufvorbereitung und die Taufe ihrer Kinder. Darüber berichten die Hebamme und die Leiterin einer privaten Einrichtung für Eltern und Kinder [ FAMILIE 1, 2].

    In ihren Gesprächen mit den Eltern sei oft Thema, wie diese kirchlichen Angebote erlebt wurden: Das Taufgespräch sei zu unpersönlich, die Leute fühlten sich nicht ernst genommen, das Kind trete in den Hintergrund. Wenn die Eltern nicht kirchlich verheiratet sind, werde darauf herumgeritten. Auch die Taufe selbst wird als „Massenveranstaltung“ und als zu unpersönlich empfunden. Die Termingestaltung sei unflexibel, vor allem wenn man sein Kind in einer bestimmten Kirche taufen lassen möchte. Was hier genannt wird, trifft sicher nicht auf alle Situationen zu, aber: So wird über kirchliches Handeln gesprochen. In diesen Aussagen wird eine große Enttäuschung der Eltern deutlich, oft mit der Konsequenz, sich (noch weiter) von Kirche zu distanzieren. Vielleicht ist vor diesem Hintergrund auch zu verstehen, dass auf eine sehr „niedrigschwellige“ Einladung zum Gespräch einiger Erkunder/-innen an eine große Zahl von Taufeltern keinerlei Reaktion kam [ FAMILIE 7].

FAZIT: Familien brauchen Unterstützung – auch von Kirche. Was vor allem jungen Familien fehlt ist Zeit und Entlastung. Was ihnen gut tut ist Begleitung und Unterstützung, die ihre Bedürfnisse ernst nimmt und auf ihre Situation zugeschnitten ist.   

Armut wahrnehmen

  • Gibt es überhaupt Armut in den Dörfern und den Mittelzentren der Pfarrei der Zukunft Wadern?

    Die befragten Ortsvorsteher haben zu diesem Thema wenig berichtet oder bekannten, dass sie dazu nichts sagen konnten. Offensichtlich fällt das Thema vor Ort nicht ins Auge [ GEMEINWESEN 3]. Ein völlig anderes Bild zeigte sich dagegen in Gesprächen mit drei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und mit der Leiterin der Waderner Tafel, Frau Daniela Schmidt-Müller [ ARMUT 1, 2]:

  • Armut auf dem Land

    Allein von der Tafel Wadern werden 480 Personen versorgt, davon sind die Hälfte Kinder. Seit Harz IV werde die Situation auch immer schwieriger. Und hier wird die Leiterin engagiert deutlich: Die Unterstützungssätze sind zu gering, gerade für kleine Kinder viel zu wenig. Aber auch Altersarmut ist deutlich vorhanden. Ortschaften, in denen es keine Armen gibt? Die Menschen kommen aus so gut wie allen Orten – wobei gerade in der ländlich geprägten Gegend die weiten Wege ein großes Problem bedeuten: Wie kommt man hin zur Tafel, oder auch zu anderen Orten von Erledigungen? Bei der Caritas denkt man darum sogar über ein mobiles Angebot nach.

  • Respektvoll und solidarisch

    Die Haltung der Mitarbeiterinnen der Tafel ihren „Kunden“ gegenüber wirkt sehr respektvoll und solidarisch – auch sie sind zum Teil Betroffene. Seit 2015 hat sich die Zahl der Tafelkunden durch die Geflüchteten verdoppelt: Für diese war es besonders schwer, sich auf die neue Lebenssituation einzustellen, das bestätigen auch die ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiterinnen: Die Mentalität und die Gewohnheiten seien eben anders. Aber das seien „nur nette Leute“ und oft hilfsbereit, und mit Schwierigkeiten – die es auch gab – kann man fertig werden, wenn man nur ruhig bleibt. Hier wird noch etwas anderes deutlich, auf das auch die Tafel-Leiterin hinweist: Es geht nicht nur um materielle Unterstützung, sondern auch um Teilhabe und darum, Zeit für Gespräche zu haben, sich auf Kontakte einzulassen. Eine andere Art von Solidarität lebt eine selbstständige Erzieherin in einer Einrichtung für Eltern und Kindern gegenüber der Armut, mit der auch sie konfrontiert wird: Niemand soll ausgeschlossen sein, betont sie, darum sind ihre Preise familienfreundlich günstig [ FAMILIE 2].

  • Übersehene Armut

    Insgesamt irritiert die manchmal „nicht wahrgenommene Armut“ – die zwar da ist, die Nicht-Betroffene aber oft nicht wahrnehmen. Warum das so ist, kann man nur spekulieren: Vielleicht, weil die Kenntnis oder die Aufmerksamkeit für Anzeichen von Armut fehlt, oder weil man in seinem Gemeinwesen einfach nicht damit rechnet. Für die kirchliche Gemeinschaft – vor Ort oder in der Pfarrei der Zukunft – könnte das bedeuten, ganz bewusst und ausdrücklich auf die Suche nach Anzeichen von Armut zu gehen. Und dabei nicht ausschließlich mit den „Experten“ zu sprechen, sondern mit Betroffenen, sie z.B. zu Hause zu besuchen oder an die Orte zu gehen, wo man sie antrifft. Und dabei sehr respektvoll und achtsam zu sein. Und da hat die Tafel-Leiterin für die Erkunder einen Tipp parat: ihre „Kundinnen und Kunden“ finden sich zum Beispiel im Stehcafé des Globus – weil da der Kaffee so günstig ist.     

Engagement für alte Menschen

  • Ich habe viel zu erzählen – hör mir zu…

    Wenn jemand wirklich zuhört, erzählen alte Menschen gerne und viel aus ihrem Leben, auch sehr persönliche Themen. Erkunderinnen und Erkunder haben das mehrfach erlebt. Schicksalsschläge und Notsituationen kamen zur Sprache, aber auch der Zusammenhalt und die gegenseitige Hilfe in der Familie. Zeit, Aufmerksamkeit und Anteilnahme reichten aus, dass sie sich öffneten. Hier wird das Bedürfnis der alten Menschen spürbar, gesehen und wahrgenommen zu werden [ ALTER 3]. Die Erkunder haben sich auch die Frage nach der Einsamkeit alter Menschen gestellt, hatten aber keine Gelegenheit, sie ausdrücklich zu thematisieren und zu erkunden. Dieses Thema wäre für eine weitere Erkundung sicher lohnend.

  • Familie oder Heim: für alte Menschen sorgen

    Wie leben alte Menschen in der eher ländlich geprägten Pfarrei der Zukunft Wadern? Nach Wahrnehmung eines Ortsvorstehers wohnten viele bei ihren Kindern mit deren Familien im Haus. Dadurch wären Anbindung und Versorgung gesichert – trotzdem kann es hier Einsamkeit geben, weil Kinder und Enkel über Tag viel aus dem Haus sind. Andererseits ist aber auch ein steigender Bedarf für eine Unterbringung außerhalb der Familie offensichtlich gegeben. In den Orten gibt es auch etliche Alten- und Pflegeheime. Mitarbeiter des Amtsgerichtes Wadern wiesen auf eine weitere Problematik hin: Es gibt viele alte Menschen, die eine gesetzliche Betreuung brauchen, wenn sie selbst sich nicht mehr gut um ihre Angelegenheiten kümmern können. Und die Bearbeitung solcher Betreuungsfälle wird immer komplizierter, die Suche nach Betreuung für alte Menschen immer schwieriger, weil die Angehörigen oft in ganz Deutschland verteilt leben oder Schwierigkeiten haben sich zu einigen.

  • Unterstützung vor Ort (Kommunen)

    Nahezu alle interviewten Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher haben von sich aus etwas zum Thema „Alte Menschen“ berichtet – oft unter dem Aspekt, wie sich Ortsvorsteher und Kommune hier engagieren. Vor allem Besuche von Geburtstags-Jubilaren und die Ausrichtung von Altennachmittagen sind verbreitet. Zum Teil werden Kontakte zu ortsansässigen Alten- und Pflegeeinrichtungen unterhalten [ GEMEINWESEN 2, 3, 5, 6]. Ihre Rolle sehen die Ortsvorsteher nach unserem Eindruck bei dem Thema vor allem bei der Anregung und Gestaltung von Angeboten. Über die Lebenssituation der alten Menschen selbst haben wir hier relativ wenig erfahren.

  • Vernetzung ist wichtig und kann von Kirche angestoßen werden

    Es gibt viele sehr unterschiedliche Akteure in der Arbeit mit alten Menschen. Das wurde deutlich bei der unerwartet hohen Resonanz bei einem ersten „Runden Tisch Leben im Alter“ in der Gemeinde Losheim, zu dem eine Erkunderin und der Caritasverband eingeladen hatten. Auffallend war, dass viele Akteure die Angebote der anderen nicht kannten – trotz des erklärten Bedürfnisses nach Vernetzung, Austausch und Zusammenarbeit [ ALTER 1]. Darum soll der runde Tisch auch weitergeführt werden. Diese Initiative der Kirche wurde gerne angenommen, ihre Rolle als „Vernetzerin“ wurde begrüßt: Sie sieht sich nicht allein als kompetent an, sondern regt zu Austausch und Netzwerkarbeit auf Augenhöhe an. Dass Vernetzung auch von kirchlicher Seite noch ausbaufähig ist zeigte sich in Wadern: Bestehende kirchliche Angebote für alte Menschen waren wenig bekannt, ebenso wie die kirchlichen Anbieter nicht in den Seniorenbeirat eingebunden sind [ GEMEINWESEN 6].

  • Kirche soll präsent sein

    Die Präsenz von „Kirche“ z.B. in einem privaten Pflegeheim ist wichtig und erwünscht. Der Leiter zeigte sich sehr erfreut, dass die Kirche mit ihrem Angebot in seiner Einrichtung präsent ist. Es gebe den Bewohnerinnen und Bewohnern Zuspruch, wenn Gottesdienste gefeiert und Krankenkommunion sowie Krankensalbung gespendet werden [ ALTER 2]. Als eine Frucht dieser Erkundungsbegegnung haben die beiden Erkunder zugesagt: eine ehrenamtlich Engagierte wird regelmäßige Besuche machen.  

Weitere Wahrnehmungen und Erfahrungen

Gemeinschaft - Begegnung - Heimat

  • Begegnung und Gemeinschaft

    Begegnung und Gemeinschaft der Menschen in den Dörfern ist das große Anliegen der Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher. Dafür tun sie viel und sind froh über jede Aktion, die das fördert. Das „gemeinsame Wir“ ist ein Herzensanliegen [ GEMEINWESEN 2]. Die Bandbreite der aufgeführten Initiativen und Veranstaltungen, die diesem Anliegen dienen, ist groß: Dorffeste jeder Art, z.T. gemeinsam von den Vereinen ausgerichtet, ein monatlicher Frühschoppen „Jung trifft alt“, Kaffee am See, Kirmes, Kappensitzungen und Theateraufführungen, eine große St.-Martins-Feier, ein jährliches Buch des Heimatvereins, insgesamt ein reges Vereinsleben, Nachmittage für ältere Menschen, Besuche bei Geburtstagsjubilaren, das Aufstellen von Mitfahrerbänken und manches mehr.

  • Ehrenamt

    All diese Aktivitäten geschehen als ehrenamtliches Engagement der Einwohner. Die Ortsvorsteher berichten von vielen regen Vereinen, von jungen Menschen in den Vorständen, von Baumaßnahmen in den Orten, die in Eigenarbeit realisiert werden, von Festen und Gemeinschaftsaktionen und vielem mehr [ GEMEINWESEN 1, 2, 3, 4, 5]. Neben den traditionellen Vereinen sind es oft gerade neue Initiativen, die für lebendige neue Ideen sorgen. Und meistens gelingt es, genügend Ehrenamtliche zu gewinnen.

    Eine Ortsvorsteherin formuliert es so: „Wenn ich Menschen für ein konkretes Projekt anspreche und sage, was die Aufgabe für den Angesprochenen ist, machen die Leute gerne mit.“ Auch Grenzen wie die Überalterung mancher Vereine kommen zur Sprache, doch ist der Grundtenor bei diesem Thema sehr positiv.

  • Gemeinschaft für alle?

    Relativ wenig wurden menschliche Problemsituationen ins Gespräch gebracht: Arbeitslosigkeit, Armut, die Probleme von Alleinerziehenden, Vereinsamung alter Menschen. Unser Eindruck: Beim Fokus auf die politische Gestaltung des Gemeinwesens – und das ist (nun mal) die Aufgabe der Ortsvorsteher – geraten individuelle Schicksale etwas aus dem Blick. Dies könnte eine Herausforderung (nicht nur) für die örtliche christliche Gemeinde darstellen.

  • Chance für die Dorfgemeinschaft?

    In den Gesprächen mit den Ortsvorstehern wurde deutlich: Überraschend viele junge Menschen kommen nach einigen Jahren in der weiten Welt wieder zurück ins Dorf, um sich hier niederzulassen. Sie kaufen und renovieren alte Häuser oder versuchen einen der knappen Bauplätze zu ergattern. Unterschiedlich ist die Einschätzung der Ortsvorsteher, wie sie sich ins Dorfleben einbringen: Zum Teil heißt es, sie arbeiten außerhalb (Trier, Luxemburg…) und haben kaum Zeit sich zu engagieren, zum Teil wird eine rege Beteiligung festgestellt.

  • Die Infrastruktur ist bedroht

    Diese Rückkehr junger Familien überrascht besonders, weil sich nach Aussagen von Ortsvorstehern die Infrastruktur in den Dörfern in den letzten Jahren rapide verschlechtert hat [ ANLAGE GEMEINWESEN 1, 2, 3]: Geschäfte und Restaurants, Post und Banken wurden geschlossen, auch Schulen und Kitas wurden geschlossen, verlegt oder sind davon bedroht. Gerade in kleinen Orten blieb oft nur wenig übrig. Die Frage stellt sich: Was geht hier an Dingen verloren, die notwendig für eine lebendige Gemeinschaft sind?

  • Beitrag der Kirche

    Neuerdings löst die geplante Strukturreform des Bistums auch die Sorge aus, dass in den Kirchen vor Ort weniger stattfindet. In den Gesprächen wird deutlich: Aus der Sicht ihrer Rolle interessiert die Ortsvorsteher weniger das religiöse Anliegen der Kirche, sondern in erster Linie der Beitrag der Kirchengemeinde zu einem lebendigen Dorfleben: Sie sind froh über Angebote kirchlicher Gruppen, wünschen sich eine gute Kooperation, eine Beteiligung an örtlichen Veranstaltungen und keine „Alleingänge“, Bereitstellung von Infrastruktur wie Gemeinschaftsräumen oder auch personelle Ressourcen [ GEMEINWESEN 1, 2, 3). Darüber hinaus wird das Kirchengebäude oft als ein identitätsstiftendes Wahrzeichen für den Ort angesehen. Davon unabhängig ist natürlich das sehr unterschiedliche persönliche spirituelle Interesse der Ortsvorsteher und ihre – teilweise sehr hohe – kirchliche Bindung.

FAZIT: Was die Ortsvorsteher hier antreibt und mit ihnen die Menschen, die sich in Gruppen, Vereinen oder als Einzelne in ihrem Dorf engagieren, lässt sich vielleicht am ehesten mit dem Wort „Heimat“ bezeichnen. 

Stellt euch zur Verfügung!

Einen ausdrücklichen Auftrag bekamen die Erkunder/innen von einem pensionierten Polizisten: „Stellt euch zur Verfügung!“ [ GEMEINWESEN 9] Dieser Auftrag hat in seiner Klarheit und Direktheit die Miterkunder-Gruppe bewegt. Aus dem Appell, der an die Seelsorger/innen (und damit auch an die Kirche) gerichtet ist, spricht ein großes Zutrauen, aber auch eine hohe Erwartung. Im konkreten Kontext der häuslichen Gewalt (VGL. KAP. 2 A 1.) hat der Polizist die Rolle von Kirche so beschrieben.

„Ihr seid keine Behördenvertreter. Mit euch kann man auch einfach nur reden!“ – und genau das könne sehr hilfreich sein. Ein Aspekt des „Sich zur Verfügung Stellens“ ist für ihn aber auch, „präsent und verlässlich erreichbar“ zu sein!"

Eine ähnlich hohe Erwartung an die Kirchen und ihre Vertreter zeigt sich in Aussagen aus der Polizeidienststelle Nordsaarland: Hier geht es um die Notfallseelsorge als ein gutes Beispiel, wie sich Kirche zur Verfügung stellt: für Polizist/innen in psychischen Belastungssituationen genauso wie für Menschen in akuten Krisen oder Angehörigen von Unfall- oder Gewaltopfern. Allerdings vermisst man gerade bei den Seelsorgern vor Ort klar benannte Ansprechpersonen, die in krisenhaften Situationen erreichbar und bereit sind, kompetent zu unterstützen. 

Leidenschaftliche Menschen … und was sie verändern

Mehrfach waren Erkunderinnen und Erkunder nach einem Gespräch beeindruckt davon, mit welcher Leidenschaft und Hingabe Menschen für ihre Aufgabe stehen. Besonders nennen möchten wir hier eine Hebamme [ FAMILIE 1], eine selbstständige Erzieherin in einer Einrichtung für Eltern und Kinder [ FAMILIE 2] und zwei Ortsvorsteher [ GEMEINWESEN 2, 3].

  • Charisma – Talent – Berufung

    Bei diesen Persönlichkeiten fiel zunächst ihr hohes Engagement auf, das Brennen für ihre Aufgabe und für die Menschen, mit denen sie zu tun haben. Man hatte das Gefühl: Hier ist der richtige Mensch am richtigen Platz. Und durch dieses Engagement bewegen und verändern sie etwas – für andere:

    Die Hebamme vermittelt schon durch ihre ruhige Art ihren Klientinnen Halt und Sicherheit – bei aller Verunsicherung und dem geringem Selbstvertrauen, das sie bei werdenden Müttern wahrnimmt. Wie ein roter Faden zieht sich durch ihre tägliche Arbeit, dass sie die Frauen durch ihr Zutrauen stärkt und sie ermutigt aufzustehen, Gebärende und Mutter zu sein.

    Die selbstständige Erzieherin bietet jungen Eltern und Kindern unterschiedliche Kurse an. Ihre Angebote hat sie so konzipiert, dass sowohl Kinder mit Behinderung, als auch Menschen mit fi nanziellen Schwierigkeiten teilnehmen können. Sie schließt niemanden aus und ermöglicht jedem die Teilnahme. Das Besondere ist aber wohl die Freude und Authentizität, die im Kontakt mit ihren Klienten spürbar ist. „Sie setzt das Talent, das ihr gegeben ist, zum Wohl der Menschen ein. Sie ist ihrer Berufung, die sie sehr früh entdeckte, gefolgt und setzt sie segensreich ein.“

    Bei den beiden Ortsvorstehern fiel ihr beeindruckend großes Engagement auf, sie sind mit jeder Faser ihres Daseins „Kümmerer“ für die Belange der Bürger im Ort. Sie legen Wert auf fairen, toleranten und menschlichen Umgang miteinander und sehen sich als Bindeglied zwischen den verschiedenen Gruppierungen. Sie fühlen sich dem Ziel des Miteinanders im Ort verpflichtet. Hier kam den Erkunderinnen und Erkundern das biblische Gleichnis mit den Talenten in den Sinn, die nicht vergraben, sondern genutzt werden sollten.

  • Rückhalt durch die Familie – und Gottvertrauen

    Bei allen vier Persönlichkeiten, die wir hier als Beispiel nennen, fiel auf, dass sie nicht alleine stehen: Sie fühlen sich – auch in ihrem Engagement – getragen und ermutigt durch ihre Familien. Einzelne betonen aber auch, dass ihnen dabei die Gewissheit hilft, von Gott getragen und geführt zu sein.  

Vernetzung und Zusammenarbeit

  • Sehr großer Bedarf

    In nahezu jedem Erkundungsgespräch kamen die Themen „Vernetzung“ und „Zusammenarbeit“ zur Sprache. Hier scheint es einen sehr großen Bedarf zu geben, der nach unserem Eindruck aber nicht hinreichend erfüllt wird. Die Mitarbeiter/-innen von sozialen Einrichtungen für ein bestimmtes Themenfeld wie „Familie“ oder „Alter“ spüren offensichtlich, dass sie trotz vielfältiger Angebote nicht auf jede Situation angemessen reagieren können. Darum sind sie – auch über „ideologische“ Unterschiede hinweg – daran interessiert, in Kontakt mit den anderen Akteuren zu kommen, deren Arbeit und Mitarbeiter kennenzulernen und mögliche Schnittstellen auszuloten.

    Das wurde z.B. deutlich …

    • beim Thema Gestaltung des örtlichen Gemeinschaftslebens, wo Ortsvorsteher Wert legen auf die Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden,
    • beim Thema Unterstützung von Familien: Zum Familiennetzwerk Losheim gehört das Arbeiten Hand-in-Hand wesentlich zum Auftrag. Eine Hebamme wies dringend darauf hin, dass Angebote transparent und abgestimmt sein sollten,
    • im Engagement für alte Menschen: beim ersten Treff en des „Runden Tisches Leben im Alter“ Losheim, beim Wunsch des Leiters eines Seniorenheims nach mehr Absprachen mit der Pastoral,
    • beim Wunsch nach einer „Sprechstunde“ eines pastoralen Mitarbeiters im Heim für psychisch Kranke,
    • bei einem Gespräch mit der Lebensberatung in Merzig,
    • und an weiteren Stellen. 

    Für alle genannten Gesprächspersonen gilt: Es geht um die Menschen, für die sie sich einsetzen. Sie zu unterstützen ist die Aufgabe, die im gemeinsamen Tun von Institutionen, Ehren- und Hauptamtlichen besser gelingen kann.

  • Mit Blick auf die Kirche...

    … zeigt sich ein differenziertes Bild: Die kirchlichen sozialen Einrichtungen zeigen sich meist sehr off en und interessiert an Kontakt und Zusammenarbeit mit anderen Akteuren. Gleichwohl wurden in Erkundungsgesprächen auch noch Wünsche geäußert, die eher die Vernetzung mit den lokalen Kirchengemeinden oder den Seelsorgern betrifft, so z.B. bei Ortsvorstehern und beim Thema Notfallseelsorge.

  • Wer ergreift die Initiative?

    Oft ist es die Kommune, die verschiedene Einrichtungen an einen Tisch bringt, z.B. in der Senioren- oder der Jugendarbeit. Wo das nicht der Fall ist, kann dies für die Kirche durchaus eine positive und akzeptierte Rolle sein, das zeigt das Beispiel des Runden Tisches „Leben im Alter“: 28 Personen sind der Einladung zum ersten Treffen gefolgt.   

Auf Tuchfühlung gehen, Haltungen verändern – Lernerfahrungen aus dem Erkundungsprozess

Erkunden lernen

  • Erkunden lernen in der Gruppe

    Der Austausch in der Miterkunder-Gruppe war für das Lernen entscheidend – das war eine einhellige Rückmeldung der Mit-Erkunderinnen und Mit-Erkunder.

    Was die inhaltlichen Erkenntnisse betraf, so war die Gruppe die entscheidende Hilfe, „den Wald trotz lauter Bäume zu sehen“, also aus all den Einzelerzählungen die wichtigen Linien herauszufiltern. Auch Wahrnehmungen jenseits des Gesagten, das „Thema hinter dem Thema“ konnte hier freigelegt werden. Wie das gelang ist im Kapitel „Erkundungsweg“ beschrieben.

    Zum Einüben der Erkunder-Haltung und -Praxis waren die Reflexionen in der Gruppe der entscheidende Lernort. Immer wieder beschäftigten uns Fragen wie: Bin ich beim Zuhören wirklich beim Anderen oder denke ich auch schon daran, ein „kirchliches Angebot“ daraus zu machen? Wie „kirchenzentriert“ sind meine Fragen eigentlich? Wie kann ich sehen lernen, ohne schon zu urteilen oder vorher zu wissen, was ich entdecken werde? ...

    Unser wichtigstes Ziel im Prozess war, dass die Mit-Erkunderinnen, Mit-Erkunder und wir selbst eine andere „Haltung“ ausprobieren und konkrete Erfahrungen damit sammeln konnten (wie im Kapitel „Erkundungsweg“ (s.o.) beschrieben). Darum lohnt es sich, einen genaueren Blick auf die Erfahrungen zu werfen.

  • Eine andere Haltung einüben

    Vor allem am Anfang taten sich Manche der Mit-Erkunderinnen und Mit-Erkunder nicht leicht mit der in der Erkundung grundgelegten Haltung. Damit meinen wir z.B.:

    als Hauptziel der Erkundungsbegegnungen anzusehen, dass wir die Menschen in ihrer Lebenslage und ihren Sichtweisen wahrnehmen, ihre „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst“ erfahren (= von den Menschen her denken) – und nicht danach fragen, wie sie Kirche erleben und was sie von Kirche erwarten.

    das eigene „Nicht-Wissen“ als einen Vorteil anzusehen und sich darum das eventuell vorhandene Vorwissen bewusst zu machen. Dadurch soll vermieden werden, beim Erkunden nur das zu sehen, was man schon kennt oder was man gerne sehen will.

    das Gehörte (und ganzheitlich Wahrgenommene) auch so stehen lassen zu können – und nicht in die Frage „Was kann Kirche für Sie tun?“ oder gar in Ratschläge zu verfallen.

    nicht gleich an eine „Verwertung“ des Gehörten für kirchliche Arbeit denken. – Offensichtlich ist diese Haltung des „zweckfreien“ Erkundens gerade für Seelsorgerinnen und Seelsorger ungewohnt. Meistens haben deren Gespräche sonst einen konkreten Anlass und ein Ziel im Zusammenhang mit kirchlichen Vollzügen. Auf solche binnenkirchlich geprägte Handlungsoptionen und Bewertungen zu verzichten fällt nicht leicht – das wurde von den Mit-Erkunderinnen und Mit-Erkundern klar benannt.  

  • Erkunden verändert den, der erkundet

    Vor allem aber zeigten die Reflexionen in der Miterkunder- Gruppe: Der Vorgang des Erkundens, wenn er von echtem Zuhören geleitet ist, löst bei den Erkunderinnen und Erkundern etwas aus. Sie werden angerührt von der Lebenssituation und den Sichtweisen des Anderen und können so einen Wechsel der Perspektive vollziehen. Man versteht auf eine ganz andere Weise als zuvor etwas von Menschen, wenn man nicht „über“ sie spricht, sondern „mit“ ihnen. Gerade wenn es Menschen sind, mit denen man sonst wenig oder nicht in engem Kontakt ist, wenn man dabei – wie ein Beteiligter es ausgedrückt hat – „seine Komfortzone verlässt.“

  • Hemm-Schwellen überwinden

    In diesem Zusammenhang fiel dem Erkundungsteam besonders auf: Zunächst wählten die Mit-Erkunderinnen und Mit-Erkunder „Fachleute“ und nicht „Betroffene“ als Gesprächspartner (z.B. über die Probleme von Familien oder das Engagement für alte Menschen). Das war vor allem für die „Hauptamtlichen“ eine vertraute Situation, da fühlte man sich noch ziemlich sicher – selbst wenn wir auch dazu schon eine gewisse Hemmschwelle überwinden mussten. Erst relativ spät wurde dieses Thema bewusst und formuliert. Unsere Anregung, doch auch Gespräche mit Betroffenen zu planen, wurde zunächst jedoch nicht aufgegriffen. Zwei Ehrenamtlichen mit viel Erfahrung in Besuchsdiensten hatten da weniger „Berührungsängste“ und nutzten sich bietende Gelegenheiten für intensive Gespräche. Auch andere Mit-Erkunderinnen ließen sich später auf neue „Wagnisse“ ein, z.B. auf ein spontanes Gespräch mit einem Trucker in einem Tankstellencafé.

  • Erkunden muss man LERNEN!

    Das bisher Berichtete macht eines sehr deutlich: Erkundung zu lernen ist ein längerer und offener Prozess, der– nach Aussagen der Mit-Erkunderinnen und Mit-Erkunder – auch nach der offiziellen „Erkundungsphase“ keineswegs abgeschlossen ist. Vor allem in der Anfangszeit des Prozesses war immer wieder eine „Selbstvergewisserung“ notwendig: Was ist der Sinn von dem, was wir tun? Was genau ist unser Auftrag? Wo werden unsere Ergebnisse wirksam?

    Später war das Berichten und Auswerten der gemachten Erfahrungen entscheidend dafür, immer besser zu verstehen, was Erkunden meint und wie es geht. Nur wenige Menschen können das „einfach so“. Wie bereits angemerkt halten wir dafür eine Gruppe Gleichgesinnter als „Lerngruppe“ für die beste Möglichkeit. Ebenfalls sehr hilfreich – möglicherweise sogar notwendig – zum Lernen von Erkundung ist dabei nach Meinung der Mit-Erkunderinnen und Mit-Erkunder eine Unterbrechung des Arbeitsalltags, ein Anstoß von außen. 

Den Erkundungsprozess gestalten

  • Partizipation braucht Zeit, aber es lohnt sich

    Eine Erkundung mit Mit-Erkunderinnen und Mit-Erkundern auf den Weg zu bringen ist mühsam und braucht Zeit! Aber es lohnt sich – für die Beteiligten und für den pastoralen Raum: Denn so entwickeln Menschen vor Ort eine Erkunder-Haltung und können aus eigener Erfahrung Anwälte für das Anliegen der Erkundung sein. Zugleich wirken diese Akteure als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren weiter in ihre bestehenden Gruppen und Gremien hinein.

  • Prozessbegleitung und -steuerung

    Weil es um einen solchen „partizipativen Prozess“ ging, musste sich das Erkundungsteam auch bewusst der Aufgabe der Prozessbegleitung und -steuerung stellen. Hier mussten wir auch strategisch denken: Wo sind wir im Prozess, Was braucht die Gruppe für ihre Weiterarbeit, was ist „jetzt dran“?

    Bei dieser Aufgabe erwies sich die gebildete lokale Planungsgruppe als unschätzbare Hilfe – allein deren Einrichtung war schon ein Signal, dass die Verantwortung für den Prozess geteilt ist. Im Rückblick wären hier manche Verbesserungen möglich, wie etwa die „Stakeholder“ (z.B. die Konferenz der Seelsorgerinnen und Seelsorger) mehr einzubeziehen, die Interessierten konsequent über den Stand des Prozesses zu informieren, sie auch immer wieder zur Teilnahme an Erkundungsgesprächen einzuladen und manches andere. Die Komplexität dieser Aufgabe – und das in jedem der vier Erkundungsprozesse – hat aber das Können und das Zeitbudget des Erkundungsteams überschritten.

  • Ziele formulieren und – mehr oder weniger – erreichen

    In diesem Aufgabenbündel hat es sich für das Erkundungsteam als sehr hilfreich erwiesen, Ziele und Teilziele zu formulieren. Das erleichterte es, Prioritäten in der Arbeit zu setzen, z.B. den Schwerpunkt auf die Gruppe der Mit-Erkunderinnen und Mit-Erkunder zu legen und weniger auf eine möglichst breite Themenpalette an Erkundungen. Durch die Zielformulierung konnten auch der Prozessfortschritt besser beurteilt, Schwachstellen wahrgenommen und ausgeglichen oder anders bewertet werden.

  • Mut zur Lücke in der Themenfülle

    Auch „Lücken“ bei den erkundeten Themen wurden im Rückblick der Miterkunder-Gruppe benannt, z.B. Jugendliche in Schulen, den Aspekt Infrastruktur und Mobilität, den Tourismus, oder dass man in der Gemeinde Weiskirchen keine Erkundung durchgeführt habe. Eine noch viel größere Fülle an Themen war ja bei den Rendezvous benannt worden – und auch die zeigt nur einen Ausschnitt der möglichen Themen [ ERKUNDUNGSPROZESS 3]!

    Das wurde als sehr komplex empfunden und machte den Mit-Erkunderinnen und Mit-Erkundern, aber auch dem Erkundungsteam Druck. Hier wird noch einmal deutlich: Erkundung kann immer nur exemplarisch bleiben. Und mit der Entscheidung für die Priorität des „Lernens von Erkundung“ konnten wir sagen: Mut zur Lücke – wichtig ist das, was stattfindet