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Bericht zur Erkundung in der Pfarrei der Zukunft Saarbrücken

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Hier können Sie die PDF des gesamten Erkundungsberichts (inklusive der im Text erwähnten Anlagen) aus der Pfarrei der Zukunft Saarbrücken herunterladen.

Gleich zu Beginn des Erkundens kontaktieren uns über die Homepage bzw. die EMail Adresse am Erkunden interessierte Menschen, die die Diözesansynode verfolgt haben und an weiteren Schritten interessiert sind. Hier gibt es erste persönliche Gespräche, die (wie einem Dominoeffekt) auf weitere Interessierte hinweisen. Das Erkunden kennt in diesem Sinn auch den überraschenden Moment.

Die Bewegung des Erkundens geht seit dem Start des Erkundens in zwei Richtungen:

  • Als Erkunder nehmen wir Kontakt mit Menschen auf, die uns kontaktiert haben. Es sind hier vor allem ehrenamtlich Engagierte aus den derzeitigen Gemeinden bzw. hauptberufliche Verantwortungsträger in kirchlichen Institutionen.
  • Zum anderen kontaktieren wir als Erkunder Gesprächspartner, um über die Erkundungsphase ins Gespräch zu kommen. Das betrifft auch die Mitarbeiter des Dekanates Saarbrücken, um sich auf der strukturellen Ebene auszutauschen; „Grundsätzlich sind die Erkunder eigeninitiativ tätig“ (16. April 2018), heißt es in den Absprachen mit dem Dekanat. Das meint: Als Erkunder nehmen wir in aller Vielfalt und in verantworteter Freiheit mit Einzelpersonen und Gruppierungen Kontakt auf. Und damit starten wir in die Erkundungsphase in der Pfarrei der Zukunft Saarbrücken.

Über 50 Gespräche und Begegnungen, die im Anhang in der Dokumentation als Gesamt aufgelistet sind, werden uns einen vielfältigen Blick in das „Saarbrücker“ Leben geben.

Zum Begriff "Pfarrei der Zukunft"

Die vorliegenden Dokumentationen beziehen sich auf die „Pfarrei der Zukunft“, wie sie durch den Prozess der Raumgliederung von 2017-2018 umschrieben wurde.

Aufgrund der Aussetzung des Gesetzes zur Umsetzung der Ergebnisse der Diözesansynode von 2013-2016 durch die Kleruskongregation und die anstehende Überarbeitung des Gesetzes wird dieser Raum nicht als kanonische Pfarrei (nach can 515 cic) errichtet.

Trotzdem werden wir die Bezeichnung „Pfarrei der Zukunft“ in den Erkundungsberichten beibehalten, da dieser Begriff in den vergangenen Jahren ein Arbeitstitel für die neu zu gründenden Räume war. Ebenso wäre es ein sehr hoher redaktioneller Aufwand, dies in den vorliegenden Dokumentationen zu verändern, da der Redaktionsschluss vor den Gesprächen des Bischofs mit der Kleruskongregation und dem päpstlichen Rat für die Gesetzestexte lag.

Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse

Im Folgenden benennen wir acht Zusammenhänge, die uns in der Zeit des Erkundens aufgefallen sind. Sie scheinen uns für den Weg der „Pfarrei der Zukunft Saarbrücken“ wichtig. Die Auflistung ist wiederum nicht erschöpfend; es geht vielmehr um Impulse, mit denen thematisch-inhaltlich weitergearbeitet werden kann. Es sind knapp verfasste Gedanken, keine längeren Abhandlungen

  • Caritas und Pastoral

    Die diözesanen Erkundungsteams sind multiprofessionell aufgestellt. Konstitutiv ist eine Caritasmitarbeiterin in jedem Team verankert. Im Sinn einer diakonisch-missionarischen Kirchenentwicklung im Bistum Trier haben wir die Zusammensetzung von Caritas und Pastoral als bereichernd im Team erlebt. Die Perspektiven bereichern und ergänzen sich. An nicht wenigen Stellen ist uns als Erkunder aufgefallen, dass es eine Ko-Existenz zwischen Pastoral und Caritas gibt. Einige Außenstehende bringen Caritas nicht mit der Kirche in Verbindung und aus der Innenperspektive der Gemeinde gibt es eine Art „Delegation“ der sozialen Fragen zur professionellen Caritas. Ohne die jeweilige Professionalität des jeweiligen Arbeitsbereiches in Frage zu stellen, plädieren wir dafür, zukünftig die pastorale Arbeit verbindlich mit der sozialarbeiterischen Perspektive zu verbinden. Umgekehrt gehört die christlich spirituelle Verankerung wesentlich (nicht als Pflicht) zur Caritas.

    Gerade in der Erkundung sozialer Projekte und in Einzel-Begegnungen (KURZDOKUS 06, 07, 14, 20, 21, 32, 39, 40 in der Dokumentation) ergaben sich viele bewegende „Begegnungs-Geschichten“.

    Exemplarisch möchten wir hier die Erfahrung im Caritas-Projekt Gemeinwesenarbeit in Friedrichsthal (Feldstraße) hervorheben.

  • Unsere Reflexion

    Es geht um Verbesserung von Bildungschancen, Integration von Flüchtlingen, Förderung von Kindern und Jugendlichen, Bekämpfung von Armutsfolgen, Unterversorgung mit bezahlbarem Wohnraum, Herausforderung Arbeitslosigkeit bzw. Langzeitarbeitslosigkeit und Krankheit. Wir stellen fest:

    • Sehnsucht nach Sinnfindung, Begleitung in Angst, Trauer und Not
    • Sehnsucht nach Begegnung von Mensch zu Mensch („der hat keine Zeit für mich“)
    • Seelsorge in existentiellen Fragen („ich streite mich oft mit dem da oben im Himmel, aber hier unten hat keiner Zeit für mich“)
      Denn benachteiligte Menschen möchten willkommen sein, sie sehnen sich nach freundlichen Reaktionen auf sie selbst und ihren Lebensraum:
    • sie brauchen Menschen aus Gesellschaft und Kirche, die mit leben und aushalten
    • sie möchten, dass ihr ständiger Kampf um Ansehen und Anerkennung gesehen wird
    • sie möchten nicht nur auf ihre Ausfälle und Grenzen reduziert werden, sondern über ihre Fähigkeiten, ihr Sozialverhalten, ihre Verantwortungsübernahme wahrgenommen werden.
      Es sind Menschen, die der Kirche ein Gesicht geben. Bedürftige klagen auf ihre Art (aggressiv oder resignierend) die Präsenz dieses menschlichen Gesichts ein:
    • Kirchliche Rituale am Anfang und Ende des Lebens und die Kommunionkatechese scheinen einer der wenigen aber wesentlichen Bezugspunkte bedürftiger Menschen zu Kirche zu sein
    • Mangelndes Selbstvertrauen, Negativerfahrungen mit ehren und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kirche erschweren einen Neuzugang.
    • Sprachbarrieren gibt es beidseitig; wer einen eigenen Zugang zur christlichen Spiritualität hat, entdeckt diese auch in den Menschen vor Ort. Aussage eines Bewohners: „Frau F. (Sozialarbeiterin) ist für mich Kirche und der Pfarrer, der meine Mutter so würdig beerdigt hat.“(KURZDOKU 10 UND 48 in der Dokumentation)

    Gegen Alterseinsamkeit, Überalterung der Gesellschaft (KURZDOKU 20 in der Dokumentation) und Einsamkeit überhaupt wäre ein Bündnis zwischen Stadt/Kommunen, dem Netz der Caritas und der Pfarrei der Zukunft Saarbrücken denkbar. Keiner kann alles anbieten, Synergien sind wünschenswert, auch Tandems wie z. B. in der Flüchtlingsarbeit (KURZDOKU 39 UND 40 in der Dokumentation). Ein kleiner Versuch von Verknüpfung war unsere „Sehschule“ in der Bahnhofsmission Saarbrücken (KURZDOKU 08 in der Dokumentation).

    Pastorale Teams mit Theologen und vielen anderen Professionen (Sozialarbeiter, Erzieher, Kirchenmusiker) könnten entstehen, z.B. an Schnittstellen zwischen der verbandlichen organisierten Caritas und der Pfarrei der Zukunft.

    Aber auch Kontakte zu einem Andersort wie der Strafvollzugsanstalt (KURZDOKU 12 in der Dokumentation) und den beiden Zentren der Saarbrücker Berufsfeuerwehr (KURZDOKU 17 UND 22 in der Dokumentation) gehören in einem weiteren Sinn zur diakonischen Ausrichtung der Pfarrei der Zukunft.

  • „Wohin gehen wir hin, um das zu finden, was unsere Seele nährt?“

    Immer wieder ist das Thema der Spiritualität bzw. der Sinnsuche aufgetaucht. Bis auf eine Ausnahme (Kontaktaufnahme per E-Mail) haben wir als Erkunder an vielen Stellen (auch außerhalb der Kirche) Wohlwollen für ein Gespräch und eine „ausgestreckte Hand“ erlebt. Für viele stellt sich die Frage nach einer alltagsrelevanten Spiritualität, die im „üblichen“ Sonntagsgottesdienst kaum erfahren wird. Interessant ist in diesem Zusammenhang eines der Ergebnisse der evangelischen Kirchgangsstudie 2019: „Je seltener jemand einen Gottesdienst besucht, desto attraktiver werden alternative Gottesdiensttage bzw. -tageszeiten“(ZEITSCHRIFT „GOTTESDIENST“ 17 – 2019, S. 192)

    „Evensong“ in St. Michael, wie in der Adventszeit erlebt (KURZDOKU 29 in der Dokumentation) oder die „Nacht der offenen Kirchen“(KURZDOKU 47 in der Dokumentation) an Pfingsten mit der Eröff nung in Saarbrücken waren gute Erfahrungen, ebenso die „Aktion Friedenslicht“ (KURZDOKU 31 in der Dokumentation) im Advent zusammen mit der DPSG und Jugendkirche eli.ja.

    Ein Fundstück des Erkundens war u.a. die „Woche der Stille“, die zum wiederholten Mal im November stattgefunden hat. Unterschiedliche Organisatoren laden zu der bundesweit stattfindenden Woche ein. Im Saarland waren es im Jahr 2018 über 80 Veranstaltungen; die von der Kirche getragenen Angebote waren gering – obwohl die Tendenz und die Sehnsucht nach „Ruhe“ und „Stille“ in der Gesellschaft groß ist.

    Auch im Saarlandmuseum ist das Thema „Spiritualität“ von der Kulturbeauftragten genannt worden – und die Bereitschaft an bisherige, mit dem Dekanat durchgeführte Veranstaltungen, anzuknüpfen (KURZDOKU 41 in der Dokumentation).So stellt sich deutlich die Frage nach dem spirituellen Herz bzw. der Lunge der Stadt (oder Pfarrei). Gerade nach dem Weggang des „Klosters am Rande der Stadt“ (KURZDOKU 38 in der Dokumentation) liegt die Frage nach einem spirituellen Ort („Geistliches Zentrum“?) auf der Hand. Inmitten der Stadt ... Das Entzünden von Kerzen in den Kirchen wurde mehrfach erwähnt.

    Die Basilika St. Johann mit ihrer besonderen Ausrichtung wird von den -musik und kulturinteressierten Liebhabern immer wieder genannt. Der Einzugsbereich für den (Gottesdienst)Besuch geht weit über die Grenzen der Stadt Saarbrücken hinaus.(Vgl. Gespräche mit den Kirchenmusikern – Musik als Verkündigung) (KURZDOKU 45 in der Dokumentation)

    Daraus ergibt sich auch die Frage: könnten sich nicht die bestehenden und vielleicht später dazu kommenden spirituellen Orte miteinander verknüpfen zu einem vielgestaltigen „Geistlichen Netzwerk“, damit es nicht zum „Nebeneinander“ kommt, vor dem Georg Bätzing eindringlich warnt?

    Aber auch: Saarland-Thermen. Exerzitien finden dort statt (s. Exerzitienprogramm des Bistums Trier); eine Caritas-Gruppe berichtet von einem Betriebsausflug mit Übernachtung. Ist hier ein Potential auszumachen? (Angebot durch Ansprechbarkeit, Meditationen, ...)

  • „Plurale Kirche: Gottsuche jenseits von klassischer Pfarr-Gemeinde“

    "Franz-Xaver Kaufmann hat die Grundsituation zunehmender Bedeutungslosigkeit des Christlichen in der säkularen Welt mit folgendem Paradox beschrieben: „Es geht den Kirchen in Deutschland in jeder Hinsicht gut, mit einer Ausnahme: dass sie den Kontakt zur Seele der meisten Menschen verloren zu haben scheinen, sie also innerlich nicht mehr ansprechen können“.(GEORG BÄTZING S.5)

    Anregend und ermutigend waren die schon existierenden kirchlichen Einrichtungen in Saarbrücken, die das Anliegen der Diözesansynode einer netzwerkartigen Pastoral bereits umgesetzt haben und als sich als „Ort von Kirche“ etabliert haben.

    • Café Exodus O-Ton: „Hier habe ich Vertrauen gelernt“; „Hier kann ich mich mit einbringen“(KURZDOKU 26 in der Dokumentation)
    • welt:raum (KURZDOKU 04 UND 28 UND 3 in der Dokumentation) Vernetzung mit gesellschaftlichen Akteuren; s. Café Repair; s. KAB; Anbieten von Räumen/Ermöglichung von Begegnungen
    • Jugendkirche eli.ja (KURZDOKU 24in der Dokumentation) Jugendliche Kreativität; Kirche als „Heimat“ von Menschen, die sich aus verschiedenen Richtungen auf den Weg machen, Ort des Ausprobierens und des Entwickelns; Willi-Graf-Jahr
    • Schulen und Spiritualität (KURZDOKU 43 in der Dokumentation) Eine AG aus Schülerinnen und Schülern, Lehrpersonen und anderen Interessierten, die sich regelmäßig triff t (z.B. Mitgestalten der Saarbrücker Fronleichnamsprozession)
    • Vgl. aber auch Krankenhaus und Krankenpastoral, wie z.B. in den Caritas-Kliniken (KURZDOKU 35 in der Dokumentation)

    Noch einmal fragen wir uns: wie könnten Café Exodus, welt:raum und eli.ja eine phantasievolle Verbindung untereinander finden, ohne dass das je Spezifische Schaden nimmt? Und wie ließe sich das wiederum verbinden mit der traditionsreichen St. Johanner Basilika und einem (wieder aufblühenden) geistlichen Ort (oder Orten) am Rande der Stadt?

    Symptomatisch die Äußerungen von Studentinnen aus dem Kultur-Café (KURZDOKU 42 in der Dokumentation):„Gotteserfahrung ist für mich Menschenerfahrung und die fi ndet nicht in einem Gebäude statt.“

    • Kirche ist für mich aber auch ein Gruppengeschehen für das Menschen einen Ort, ein Gebäude brauchen in dem sie sich treffen können.“
    • „Jedoch Gruppen, denen ich mich freiwillig anschließen kann und die ich auch wieder freiwillig verlassen kann....“
    • „Wir brauchen Menschen, die sich mit uns auf einen neuen Weg machen um Kirche neu zu begreifen und zu gestalten. Wenn das nicht geschieht, wird Kirche keine Zukunft haben. Wir sind die, die auch ‚Zukunft Kirche‘ sind.“
    • „Das Glaubwürdigste an Kirche ist das Engagement für Menschen am Rande unserer Gesellschaft. Über dieses Engagement erreicht Kirche auch Jugendliche.“
    • „Wir jungen Menschen leben heute in einer Bilder und Informationsüberflutung. Die Sehnsucht nach Stille, Ruhe und Schlichtheit ist da. Ich suche diese Erfahrung jedoch lieber in der Natur, nicht im Kirchengebäude.

    “Woher kommt die Ermutigung zu neuen Orten von Kirche? Der im Bistum Speyer arbeitende Theologe Peter Hundertmark nennt sie „Ekklesien“.

    Wichtig bleibt, so Georg Bätzing, das „Selbstverständnis der frühen Kirche als „Heimatlose“, in der sich das „unbehauste“ Leben Jesu und die Mobilität des Gottesvolkes fortsetzte. Dahinter stand also eine Haltung, die gerade nicht bedeutete: sich heimisch machen oder sich festsetzen, sondern ganz bewusst unterwegs zu bleiben. (S. 8) Wenn der äußere Rahmen, die traditionellen, kulturell und gesellschaftlich vorgegebenen Bindungen an die Kirche schwinden, wird die innere Bindung einer persönlichen Beziehung der Gläubigen zu Jesus Christus zum eigentlichen Anker, der sie hält und den sie gemeinsam mit anderen bekennen und leben. Das gilt es zu fördern.“ (S. 8)

  • Entdeckerfreude: Hier entsteht Zukunft in der Stadt!

    Papst Franziskus in „Evangelii Gaudium“ Nr. 73:

     „Wir müssen die Stadt von einer kontemplativen Sicht her, das heißt mit einem Blick des Glaubens erkennen, der jenen Gott entdeckt, der in ihren Häusern, auf ihren Straßen und auf ihren Plätzen wohnt. Die Gegenwart Gottes begleitet die aufrichtige Suche, die Einzelne und Gruppen vollziehen, um Halt und Sinn für ihr Leben zu finden. Er lebt unter den Bürgern und fördert die Solidarität, die Brüderlichkeit und das Verlangen nach dem Guten, nach Wahrheit und Gerechtigkeit. Diese Gegenwart muss nicht hergestellt, sondern entdeckt, enthüllt werden. Gott verbirgt sich nicht vor denen, die ihn mit ehrlichem Herzen suchen, auch wenn sie das tastend, auf unsichere und weitschweifige Weise tun.“

    Die Stadt hat ein hohes Potential durch die plurale Lebenswirklichkeit von jungen Menschen. Saarbrücken ist Universitätsstadt; vgl. Gespräche auf dem Uni-Campus (KURZDOKU 13 in der Dokumentation). Das Leitwort der Universität Saarbrücken „Hier entsteht Zukunft“ sehen wir als große Chance.

    Wo könnten Verbindungsgespräche entstehen, nicht nur in der Routine der alljährlichen Gespräche zwischen Spitzenvertretern von (Lokal-)Politik und Kirche, sondern im gemeinsamen Anliegen „Suchet der Stadt Bestes“? Einen wichtigen Versuch gibt es in Saarbrücken-Malstatt: „Brot und Rosen“ (KURZDOKU 11 in der Dokumentation).Kirche verlangt nicht danach „mitzumischen“ oder sich in traditioneller Attitüde „einzumischen“. Vielmehr geht es um faire, verlässliche Partnerschaft. Von alten Allmachtsphantasien zu phantasievoller Freundschaft und Ergänzung...Kontakte zu Feuerwehr (KURZDOKU 17 UND 22 in der Dokumentation), Versicherung (KURZDOKU 25 in der Dokumentation), Festival Max Ophüls (KURZDOKU 36 in der Dokumentation), Saarlandmuseum (KURZDOKU 41 in der Dokumentation) und zum NABU (KURZDOKU 49 in der Dokumentation) haben zu herzlichen Begegnungen geführt und etwas ahnen lassen vom „Netzwerk der Verantwortungsbewussten“.

    Große Chancen liegen auch in der kirchlichen Verkündigung via Medien, z.B. Radio. Mehrere Kontakte zum Saarländischen Rundfunk weisen hin auf die Dringlichkeit eines guten „Verkündigungsrundfunk“ (KURZDOKU 19, 27, 30, 33 in der Dokumentation).

    Georg Bätzing: „Christentum ist als eine Stadtreligion entstanden. Von daher kann ein Blick auf die Anfänge des Christentums Gelassenheit und Orientierung geben. Die Christen der ersten Jahrhunderte verstanden sich als „Bürger unter Vorbehalt“ (Robert Spaemann), das heißt: Einerseits wollten sie mitten in der Gesellschaft leben und keine abgekapselte Sonderwelt konzipieren, zugleich aber bemühten sie sich um einen alternativen Lebensstil, hergeleitet aus dem Glauben an Jesus Christus.“ ( Zitat: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern wir suchen die zukünftige“(Hebr 13,14). Pastoralschreiben im Anschluss an die Visitation in Frankfurt im Jahr 2018 von Bischof Dr. Georg Bätzing, 7.)

  • Ehrenamt

    „Es ist die Aufgabe, dass die neue Pfarrei eine Verbesserung für das ehrenamtliche Engagement mit sich bringt.“

    (Benedikt Welter, Forum am 03. 11.2019 – zitiert nach Newsletter, BIP)

    Eine Schlüsselfrage ist das Engagement der „Ehrenamtlichen“ bzw. das Zueinander von Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen. Aus dem Gespräch mit einem Pfarreienrats-Vorsitzenden: „Große Frage: Wie steht’s um das Engagement der Ehrenamtlichen. Wie gestaltet sich der Wandel zu einer Kirche der Engagierten, hauptberuflich/ehrenamtlich? Und: es braucht einen Dialog mit der Gesellschaft, Kultur auf der „Höhe der Zeit“, Kirche und Kultur/Kunst...“ (KURZDOKU 01 in der Dokumentation).Bei einem realistischen Blick auf die zahlenmäßige Entwicklung der pastoralen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Hauptberuf ist der Ruf nach dem Ehrenamt unvermeidlich. Doch wie weit sind bisherige „Verletzungen“ der „Ehrenamtlichen“ (sichtbar an der Frage der „Wort-Gottes-Feiern“ bzw. Ausbildung von Leitern für Wort-Gottes-Feiern) bewusst und handlungsleitend? Wie wird zukünftig Gottesdienst an welchen Orten gefeiert? Ist der Stellenwert des Wortes Gottes wirklich schon im Blick?

    Und wie steht es mit der riesigen Aufgabe, für ältere und alte Menschen da zu sein?

    • „Glaubensverlust und Kirchenferne, Einsamkeit, Depression bei alten Menschen.
    • Trauerbewältigung, wenn vertraute Menschen aus der Seniorenbegegnung sterben. Sehnsucht nach heilenden Ritualen. (...)
    • Feststellung der Seniorenkreisleiterinnen, dass pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Begleitung stärker präsent sein sollten.
    • Seniorenbegegnungen tragen zu einer verbesserten Lebensqualität im Alter bei, vermeiden Einsamkeit, ermöglichen Kontakte, ermöglichen spirituelle Erfahrungen, teilen gemeinsam Erlebtes. Ökumene ist den Seniorenkreisleiterinnen wichtig!“(KURZDOKU 20 UND 37 in der Dokumentation).

    Aus der Gesprächsrunde im Pastoralteam Brebach: „Einerseits Sorge, wie „das gehen soll“ – die Zeit der Zukunft; andererseits: „Wir sind so alt, wir haben schon viel erlebt –das kriegen wir auch noch hin.“

    „Aber, als Ehrenamtliche brauchen wir Unterstützung“; „Wir probieren auch Unkonventionelles aus – es ist gut, dass unser Pastoralteam uns unterstützt.“(KURZDOKU 15 in der Dokumentation)

    Der verstorbene Weihbischof Leo Schwarz schreibt an eine ‚liebe Freundin im Ehrenamt‘: „Wir kommen nicht voran, wenn wir nicht die Stimme des Volkes hören. Du bist nicht die offizielle Stimme, aber Du bist das Leben, der Alltag. Dein ganzes Leben steht im Dienst der Kirche. Was wäre Deine Gemeinde ohne Deinen Einsatz. (..) Du hast Dich nie beschwert. Du hast Dich weiter für Deine Gemeinde eingesetzt. Du hattest die Kranken im Blick, die Kommunionkinder, die Firmbewerberinnen und Firmbewerber. Du bist unsere Wege mitgegangen, selbst wenn es für Dich querkam. Wer will schon gerne zusammenrücken. Es war mühsam und hat Kraft gekostet. Wie viele kleine Schritte bist Du mit den Leuten gegangen. Du hast ihnen das Teilen beigebracht (...)“(LEO SCHWARZ, BROSCHÜRE ‚HERAUSGERUFEN UND MITTENDRIN‘ 2017, S. 36 – 38)

    Binnenkirchlich/intern haben wir als das große Thema identifiziert: Das Zueinander der Dienste und eine Kirchenentwicklung der Zukunft

    Die Pfarrei der Zukunft Saarbrücken besteht nicht nur aus dem Stadtgebiet. Das sogenannte „Umland“, das leicht der Aufmerksamkeit entgehen könnte und dann als „Hinterland“ empfunden würde, wirft viele Fragen auf. Von Klarental bis Bischmisheim, von Rilchingen-Hanweiler bis Göttelborn erstreckt sich ein weites Gebiet rund um die Stadt Saarbrücken. Fünf bisherige Pfarreiengemeinschaften stehen sechs „städtischen“ Pfarreiengemeinschaften gegenüber und werden alle zusammen eine Pfarrei der Zukunft.

    Einerseits sind viele Menschen aus dem Umland spürbar auf die Stadt hin orientiert, andererseits leben viele Menschen z.B. im Sulzbach/Fischbachtal oder im Grenzgebiet zu Frankreich in sehr eigenständiger Prägung.

    Eine exemplarische Antwort aus dem Sulzbachtal:

    „Während in der Zivilgemeinde die Lebensqualität, der Freundeskreis, die Erreichbarkeit wichtiger Stellen unverändert positiv gesehen wird, ist die kirchliche Landschaft doch sehr verändert. (...) Wir sind dankbar über den („durchgeretteten“) Glauben der Kinder und Enkel. Das persönliche Glaubensleben, die Hoffnung der hier Befragten, ist keinem Wandel unterworfen; auch nicht jetzt, in Zeiten wachsender Schwäche und Krankheit.“ (KURZDOKU 37 in der Dokumentation)

  • „Ein neuer Ort ist hier entstanden: 8000!“

    Die Frage nach „Kontingenzbewältigung“, also nach Hinnehmen und Annehmen unserer Endlichkeit ist groß, oft beim Abschied von Menschen ganz entscheidend. Daher gibt es spürbar Sehnsucht nach Begleitung an den Lebenswenden: Geburt und Sterben, Schulabschluss. Aber auch Begleitung von Kranken, Nachbarschaftshilfe, ein wachsames Ohr, das hört, was der andere nicht sagt...Zu einem exemplarischen Gespräch kam es am Friedwald. Hier geht es um neue Formen der Bestattung, die unerwartet gut angenommen werden. Der beauftragte Förster vergleicht den Friedwald mit einem neu entstanden „Ort“, wo über 8.000 Menschen aus dem ganzen Saarland bestattet sind. Die Homepage www.friedwald.de gibt einen Einblick. Nach Einschätzung der Mitarbeiter sind es zu 80 % Bestattungen im „christlichen Sinn“.

    „Schwierig, dass die Menschen hier in Kontakt mit den Vertretern der Kirche kommen, obwohl doch hier ein so wichtiger Ort ist; ich weiß, wovon ich rede – ich war ja lange als Gärtner bei einer Ordensgemeinschaft.“(KURZDOKU 02 in der Dokumentation)

    Eine verbindliche Ansprechbarkeit der Kirche (ökumenisch) vor Ort wäre wünschenswert. Der Kirche wird (noch?) eine Kompetenz in den Fragen der Trauer und des Sterbens zugetraut. Welche Antworten gibt es?

     

  • „Und die anderen? Die, die nicht zu uns kommen?“

    „Also müssen wir umkehren. Wir müssen den kirchlichen Allmachtsphantasien ebenso entschlossen den Abschied geben wie einem pastoralen Sendungsbewusstsein, das nur geben und nicht empfangen will, nur lehren und nicht lernen. Wir können von den Kirchenfremden viel lernen, sogar von Geschiedenen, Gescheiterten, von Leuten, die Umwege gemacht und Federn gelassen haben. In all dem haben sie nämlich Erfahrungen gemacht, die mit der unbegreiflichen Treue Gottes zu tun haben, der seine Sonne aufgehen lässt über Guten und Bösen und regnen lässt über die Äcker der Gerechten und der Ungerechten (MT 5, 45). Wer sich für diese Erfahrungen nicht interessiert, weil er glaubt, er wisse schon, wer Gott ist und was Gott kann, taugt nicht für das Reich Gottes. ... Wer ihnen nur begegnet „um zu“, begegnet ihnen überhaupt nicht, sondern tut nur so „als ob“. Er verfehlt nicht nur die andern, sondern Gott. Deshalb muss er leer ausgehen. Im Fremden begegnet uns Gott.“  ( Zerfass, Rolf, Was sind letztlich unsere Ziele? Pastoralpsy-chologische Thesen zur Motivationskrise in der Pastoral der Kirchenfremden. In: Katholische Glaubens-Information, Hg., Erfahrungen mit Randchristen. Neue Horizonte für die Seelsor-ge, Freiburg 1985, 43 – 64, 63.)

    Wie steht es um eine echte Willkommenskultur?

    „Das einzelne Kirchenmitglied erlebt Kirche meist zu bestimmten Gelegenheiten. Für Außenstehende wirken Gemeinden oder kirchliche Gruppen gelegentlich wenig einladend. Manche neigen dazu, sich in der eigenen Vertrautheit abzuschotten. Kirche soll aber offen sein für alle. ... Dies gilt beinahe im gleichen Maß für Hauptberufliche und Ehrenamtliche, die in katholischen Kindertagesstätten, Büchereien, Gemeindebüros, Krankenhäusern, Altenheimen, Beratungsstellen usw. oft der erste und einzige Kontakt zu diesen Menschen sind.“ ( Etscheid-Stams, Markus/Laudage-Kleeberg, Regina/Rünker, Thomas, Hg., Kirchenaustritt – oder nicht? Wie Kirche sich verändern muss,Freiburg 2018, 295. )

    „Wie können wir als Kirche die Solidarität mit den Menschen heute leben? Wie sind wir als Kirche dort präsent, wo wir keine Immobilien und kein Personal aufweisen? Gastlichkeit und Gastfreundschaft wären hier für mich leitende Begriffe.“(GEORG BÄTZING S. 9)

    Exemplarisch die Erfahrung aus der Begegnung mit einem Versicherungsangestellten (KURZDOKU 25 in der Dokumentation): Seine Pfarrgemeinde sieht er wenig verbunden mit den Gruppen und Vereinen vor Ort, sie sei „am Welken, wie eine Blume, die kein Wasser bekommt.“ Früher war er aktiv in der Jugendarbeit, im PGR. Heute unterscheidet er „die Einen, die in einer kirchlichen Romanze schweben, und die Anderen, Kreativeren, die eher zur DLRG oder zu den Pfadfi ndern gehen.“ Er sieht seine Gemeinde erstarrt in einer Eiszeit, „dabei brauchen doch Jung und Alt eine echte Bewegung – ökologisch, kulturell, kirchlich.“

  • Und es geht weiter ...

    Immer wieder haben wir bestimmte Themen nur an der Oberfläche ansprechen können. Einige Einladungen konnten wir aus Zeitmangel bisher nicht annehmen. Immer bleibt die Frage nach der „Kirchlichkeit“, nach dem eigenen Kirchenbild, wie weit, wie eng Kirche-Sein gedacht ist.

    Allzu leicht geraten verschiedene Kirchenbilder in Kollision; würde der eine den jeweils anderen Menschen „erkunden“, auch in seinem/ihrem Kirchenbild, wäre schon eine Menge gewonnen.

    Wir als Team schauen auf eine bereichernde Zeit zurück. Die ungehobenen Schätze des Evangeliums, die Ahnung einer Initiative des Heiligen Geistes, auf seine unberechenbare Weise, treiben uns um. Wir haben sehr viel Bereitschaft entdeckt, jenseits der bekannten Strukturen Kirche neu aufzubauen. Und wir sind immer mehr davon überzeugt:

    Es existiert ein verborgenes „Netz der Hoffenden“, zu dem völlig Unterschiedliche gehören, die (noch) nichts voneinander wissen. Viele Begegnungen haben zu Begegnungs-Geschichten geführt, zu Menschen, die „Gesicht zeigen“ und mit ihrem ganzen Leben einstehen für ihre Überzeugung.

    In der Pfarrei der Zukunft geht es nicht um ein Modell von „Kirche der Großpfarrei“ bzw. „XXL-Pfarrei“. Es mag sein, dass an vielen Stellen die „Pfarrei der Zukunft“ so empfunden wird. Das „Wording“ aber passt nicht. Im Gebiet der Pfarrei der Zukunft geht es um die Menschen, die sich als „Ort von der Kirche“ sammeln – und zwar eigenverantwortlich. Wir sehen den Raum der Pfarrei der Zukunft als eine Möglichkeit, das „Große Ganze“ und die vielen Details zusammen zu sehen und wirklich neue Wege zu gehen. Umwege sind unvermeidlich, auch Holzwege und Abwege werden dabei sein. Das gehört zum Risiko eines echten Aufbruchs.

    Als Erkundungsteam geben wir jetzt Auskunft darüber, dass an vielen Stellen Neues wächst und möglich ist. Ob das kompatibel ist mit der bisherigen Form unseres Kirche-Seins (als Pfarrgemeinde)? Viele Kontakte und Gespräche mit Menschen am Rand der Gesellschaft brachten uns sehr verschiedene neue Perspektiven. Das Synodendokument aus Trier spricht in diesem Zusammenhang von „Anders-Orten“. Es sind jene Orte, die über die bisherigen Strukturen des pfarrlichen Lebens hinausweisen, die jedoch erkennen lassen, wie Gottes Geist schon längst kreativ und lebendig außerhalb des kirchlichen Betriebs wirkt. „So öffnet sich die Kirche von Trier über ihre Grenzen hinaus auf andere hin.“ – so die Synode. Und weiter: Die Kirche „begibt sich dabei in das ihr selbst Fremde“.

    Wir würden gerne unsere persönlichen Erfahrungen für andere fruchtbar werden lassen, und merken gleichzeitig, wie schwierig es ist, all die Begegnungen, Gespräche und Anliegen ins Wort zu bringen. Mit der vorliegenden Dokumentation wünschen wir, dass ein anregendes und konstruktives Gespräch mit den Menschen in der „Pfarrei der Zukunft Saarbrücken“ weitergeht, damit die genannten Punkte vertieft werden können. Als Erkundungsteam möchten wir nach fast zwei Jahren und mit der Erfahrung in vier Pfarreien der Zukunft Rechenschaft darüber geben, dass es noch viele ungeahnte Möglichkeiten zur Gestaltung der Kirche gibt. So auch in Saarbrücken! Wir haben es selbst gespürt und erfahren. In all den Veränderungen der Zeit konnten wir entdecken:

    „Trifft das Evangelium aber auf Menschen, für die Kirche bisher kein Lebensraum ist, kann etwas völlig Neues entstehen.“

    Peter Hundertmark