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Bericht zur Erkundung in der Pfarrei der Zukunft Prüm

Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse

Thematische Erkundungen

  • Leben im Alter

    Ein wichtiges Thema, das uns von Anfang begleitet hat, war die Frage nach dem Leben im Alter. Die Eifel mit ihren weiten Wegen, mit der großen Landfläche und der eingeschränkten ärztlichen, wie Lebensmittelversorgung, bewegt die Menschen in der Eifel. Auch sehen sie, dass viele ältere Menschen alleinstehend sind und in großen Häusern leben.

    Welche Rolle spielt in Zukunft die Kirche in dieser Frage? Natürlich kommt auch der Wunsch auf, dass doch der Pastor noch eine wesentliche Rolle in der Begleitung der älteren Menschen sein solle. Es ist aber jetzt schon festzustellen, dass diese Erwartung eine Überforderung darstellt, weil die Priesterzahlen zurückgehen. Auch muss diskutiert werden, welche Aufgaben Ehrenamtliche und Laien in Zukunft verstärkt übernehmen sollten. In der Kurzdokumentation „Leben im Alter“ können Sie wesentlich unseren Weg nachlesen.

  • Familie in all ihrer Vielfalt

    Ist die Familie noch die Keimzelle der Gesellschaft? Welche Rolle kommt der Familie in Zukunft zu, um sie nicht zu überfordern? Welche Aufgabe sollte in Zukunft die Kirche ausfüllen, wenn wir nach einem ausdifferenzierten Familienbild leben?

    In diesem Thematischen Feld haben wir einige Kooperationspartner in Kirche und Kommune gefunden, die mit und für Familien arbeiten, damit der Alltag besser gewährleistet werden kann. In der Kurzdokumentation „Familie in all ihrer Vielfalt“ beschreiben wir unseren Weg.

  • Jugend und Schule

    Die Weitergabe des Glaubens an unsere jüngere Generation ist eine Herausforderung, der wir uns nicht nur in Familien, sondern auch in Kindertagesstätten und Schulen stellen. Vorrausetzung für eine Glaubensweitergabe ist die Neugier und eine Offenheit nach Gott, nach Gemeinschaft und nach christlicher Orientierung.

    Wir haben die christlichen Werte von Menschenwürde, Nächstenliebe und Freiheit in unserer Verfassung grundgelegt, erleben aber auch immer mehr, dass diese Ursprünge nicht mehr erfasst werden. Besonders im digitalen Zeitalter des Internets und von Sozialen Medien stellt sich heute neu die Frage, wie Evangelisierung möglich ist. Wir haben dieses Feld aus verschiedenen Sichtweisen erkundet und mit jungen Menschen, mit Bildungsverantwortlichen in Schulen, mit Lehrerinnen und Lehrern und Verantwortlichen in der Schulabteilung im Generalvikariat besprochen. Im Folgenden finden Sie in unserer Kurzdokumentation unseren Weg.

FAZIT

Missionarisch-diakonische Kirchenentwicklungen können über Bedarfe, Stärken und in kooperativen Netzwerken von Kirche und Kommune in den Sozialräumen aufgebaut werden.

Kooperationen – mögliche und bestehende

In den oben genannten Themenfeldern haben wir mit Menschen als Privatpersonen oder als Vertreter oder Vertreterin von Institutionen gesprochen. Deutlich wurde, dass eine große Offenheit bei weitgehend allen Gesprächen gegeben war, um miteinander im Sinne der uns anvertrauten Menschen in Kontakt zu kommen. Durch das Netzwerken im sozialräumlichen Konzeptansatz können wir besser verstehen, welche Themen und Bedarfe eine Gemeinde, ein Stadtteil oder eine Gruppe hat. Es bietet die Chance, sich kennenzulernen, verstanden zu werden oder auch empathisch einen Kontakt aufzubauen, der zu einer Lösung führen kann.

Diese Erfahrungen haben wir im Bereich der Kindertagesstätten gemacht, indem wir gemeinsam mit von Kommune und Kirche und Elternbeiräten, erkundet haben, was Familien im Alltag als Unterstützung benötigen. Dies haben wir in Lasel erlebt, als Vertreter aus kirchlichen und kommunalen Gremien gemeinsam in einem Ortsrundgang und im anschließenden Gespräch erlebt haben, dass nur gemeinsam Probleme des Ortes gelöst werden können. Besonders das Projekt des Kreises „Zukunftscheck Dorf“ als Kooperationspartner für Kommune und Kirche ist hier zu nennen.

  • Ökumene als Chance

    Besonders möchten wir auf die Gespräche mit der Evangelischen Gemeinde und mit der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinde (FEG) in Prüm hinweisen, die uns noch einmal gezeigt haben, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben. Dort sind schon Netzwerke entstanden, die sich an den Bedarfen und den sozialräumlichen Gegebenheiten ausrichten.

    In der FEG haben wir Katholiken kennengelernt, die den Gottesdienst mitgefeiert haben, wie auch erzählt bekommen, dass die evangelische Kirche, in Katholischen Kirchen in der Eifel ihre Gottesdienste feiern darf. Deren Bereitschaft nach Kooperationen mit der Katholischen Kirche wurde deutlich formuliert. Auch hier haben wir in Kurztexten zusammengefasst, welche Eindrücke diese beiden Gespräche hinterlassen haben.

  • Kirche und Kommune

    Ein wesentliches Anliegen unseres Erkundungsteams war der Kontakt zu kommunalen Vertretern und Vertreterinnen. In den Sozialräumen, die auch wesentlich von kommunalen Territorien bestimmt sind, haben wir mit dem Landrat, mit den Verbandsbürgermeistern, mit Bürgermeistern, mit Jugendpflegern, kommunalen Einrichtungen und mit kommunalen Vertretern des Kreisentwicklungskonzeptes von Zukunftscheck Dorf gesprochen.

    Wir konnten immer wieder erleben, wie wichtig es ist, dass wir uns im Sinne der Menschen in den jeweiligen Lebensräumen gegenseitig informieren, nach gemeinsamen Themen suchen und ressourcenschonend auch zusammenarbeiten. Dazu gibt es gelungene Beispiele, aber auch viele Wünsche und Notwendigkeiten wurden geäußert. Der Bürgermeister und der Pastor haben im volkskirchlichen Gefüge vieler traditioneller Gemeinden noch eine bedeutende Rolle. Im Bereich der Kommune haben sich viele demokratische Strukturen der Mitbestimmung und der Gleichberechtigung entwickelt, die wir in der Kirche noch erweitern können. Auch hier können wir viel voneinander lernen.

FAZIT

Kirche und Kommune haben starke Überschneidungen in der Gemeinwesensarbeit und in der Seelsorge – Netzwerke aufbauen ist gewünscht. Was können wir von den kommunalen Initiativen lernen?

Sozialräume beschreiben – Bedeutung des Dorfes

Wir sind immer wieder gefragt worden, was das Konzept der Sozialräumlichen Erkundung bedeutet. Diese Methoden, die aus der sozialen Arbeit entstanden sind, dienen der Erkundung, um Bedarfe zu ermitteln und Zusammenhänge innerhalb der Sozialräume zu erkennen. Als Sozialraum definieren wir den sozialen Nahraum von Menschen, der zwar sehr individuell sein kann, aber durch die allgemeinen Bedürfnislagen wie Ärzteversorgung, Nahversorgung mit Lebensmitteln, Kita- und Schulentfernungen und auch seelsorgerliche Anbindung allgemein verdichtet werden kann.

Der Eifelkreis Bitburg-Prüm hat in seinem Projekt zur sozialräumlichen Nahversorgung Kooperationsräume gefunden, die diesem Anliegen gerecht werden wollen. Dieser Nahraum stellt eine sozial-konstruierte Wirklichkeit des wechselseitigen Austauschs, einer spezifischen Kommunikation und des Zusammenlebens dar. Auch die Synode beruft sich auf dieses Konzept.

Das bedeutet für uns als Erkundungsteam, dass wir exemplarisch mit den Miterkundern und Miterkunderinnen und den Gastgebern der Ortserkundungen besprochen haben, für welche Sozialräume sie sich verantwortlich fühlen und zu klären, wie diese entstanden sind und welche Besonderheiten vorliegen. Ortsgemeindegremien sehen ihren Sozialraum wesentlich im Wohnort, nehmen auch wahr, dass durch Zuzug, berufliche, wie auch schulische Wege, die Bevölkerung eine hohe Mobilität entwickeln muss. Damit verändern sich auch die Themen und Bedarfe im Ort. In den folgenden exemplarischen Ortserkundungen haben wir unterschiedliche Sozialräume kennengelernt.

FAZIT

Ortserkundungen als Methode zur sozialräumlichen Erfassung darstellen und zum Nachahmen animieren.

Dörfer und ihre Identitäten stärken

Konsequenzen aus der Erkundung

Hier stellen wir abschließend einige uns wichtig erscheinende Konsequenzen und Schlussfolgerungen aus der Erkundung zusammen:

Besonders wichtig für eine gute Entwicklung der Pfarrei der Zukunft Prüm ist die Vernetzung mit nicht-kirchlichen Organisationen und vor allem auch mit Initiativen der Kommunen. Hier gilt es, auf Augenhöhe mit den Kooperationspartnern zu sein.

Die sozialräumliche Orientierung, die wir mit den Erkundungen exemplarisch zeigen wollen, sollte fester Bestandteil einer Pfarrei der Zukunft sein.

Dabei geht es um folgende Haltungen:

  • Wahrnehmen
  • Rausgehen
  • Hören
  • Verändern lassen im Sinne von Gaudium et spes

Langfristig muss es darum gehen, die geknüpften Vernetzungen auch aufrechtzuerhalten. Haupt- und Ehrenamtliche in den Kirchengemeinden wünschen sich qualifizierte Unterstützungsmodule, um den Anliegen der Synode gerecht werden zu können.

Andere (Kommunen, Firmen, Verbände…) haben viele Erfahrungen schon gemacht, wir können von ihnen lernen, z. B.:

  • Strukturreform
  • Bedürfnisse erfassen
  • Themen der Menschen identifizieren

Oft gab es bei den Gesprächspartnern vor Ort ein Aha- Erlebnis: „Kirche hat ja noch nie gefragt. Endlich fragt uns mal jemand“.

Erkundung lernen (inklusive der notwendigen Haltungen) braucht Zeit, muss praktisch geschehen, braucht Anleitung/Begleitung. Hier bedarf es der Schulung und praktischen Begleitung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Blick auf sozialräumliches Arbeiten.

Wunsch von Institutionen: Zugehen auf Institutionen, Kontakte knüpfen, Kommunikation pflegen, Kooperation auf Augenhöhe. Dies zu initiieren kann gut Rolle von Kirche sein. Regelmäßige Netzwerkertätigkeiten von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind notwendig, um Sozialräume verstehen zu lernen.

Gemäß dem Synodenabschlussdokument wird Sozialraumorientierung verbindlich der Seelsorge, der Katechese sowie der sozial-caritativen Arbeit als Handlungsprinzip zu Grunde gelegt. Sie bietet die Chance, das Selbstverständnis der Caritas als „Kirche vor Ort“ zu leben und sich in enger Kooperation mit Seelsorge und anderen kirchlichen Akteuren für das solidarische Miteinander in den pastoralen Räumen und zugleich im Raum der Bürgergemeinden zu engagieren.

Wir haben es im besonderen Maße als wichtig erfahren, dass die Haltung des Nichtwissens, mit der wir in dem uns fremden Raum der Eifel unterwegs waren, uns viele Türen geöffnet hat.

Unbedarft und mit großem Interesse haben wir gelernt, ohne direkt Bilder im Kopf bedienen zu können. Diese Grundhaltung des „interessieren für…“ schafft Beziehung und Offenheit, es macht Lust weiter mitzugehen und Ideen zu entwickeln.

Das größte Entwicklungspotential liegt außerhalb unserer klassischen Kirchengemeinden. Über die Sichtweise des sozialräumlichen Denkens werden alle Menschen einbezogen.

Zum Schluss wollen wir auf ein Biblisches Wort Lk 10, 1–2Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger und Jüngerinnen hinweisen:

Lassen wir uns alle aussenden zu den Menschen, die im Geiste Jesu Christi leben wollen. Lassen wir uns alle aussenden zu den Menschen, die im Geiste Jesus Christi am Rande (unserer Sozialräume) stehen und Not haben. Lassen wir uns alle aussenden zu den Menschen, die im Geiste Jesu Christi Gott loben wollen, weil wir das Leben in Fülle haben

WIR SAGEN DANKE

Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen Miterkundern und Miterkunderinnen, die uns in den letzten 1 ½ Jahren begleitet haben. Sie haben uns oftmals Türen geöffnet, uns ihre Motivation gezeigt, sich für Kirche auch weiterhin zu engagieren. Sie haben uns aber auch Visionen einer neuen Kirche verdeutlicht. Eine missionarisch-diakonische Kirche ist interessiert an den Sorgen und Nöten der Menschen in ihrem Nahraum.

Wir haben sehr viele gute Gespräche geführt, wie Menschen miteinander umgehen und füreinander sorgen. Wir haben gute Konzepte der Gemeinwesenarbeit kennengelernt. Wir haben immer wieder die Bereitschaft zu Kooperationen von Kirche und Kommune erleben dürfen.

Wir danken für alle Einladungen, für die Gastfreundschaft und auch für die Bereitschaft, mit zu erkunden. Wir werden jetzt wieder in unseren heimischen Arbeitsgebieten tätig sein. Mit den Erfahrungen der Erkundungen dürfen alle vor Ort weiterarbeiten, um gute alte Wege zu sichern und neue Wege damit zu eröffnen.

Wir bedanken uns beim Dekanatsteam des Dekanates St. Willibrord Westeifel sowie den Kollegen und Kolleginnen im Caritasverband Westeifel. Wir bedanken uns bei allen Engagierten in Gremien und Gruppen, die sich für die Erkundung offen gezeigt haben.