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Bericht zur Erkundung in der Pfarrei der Zukunft Neuerburg

Zum Begriff "Pfarrei der Zukunft"

Die vorliegenden Dokumentationen beziehen sich auf die „Pfarrei der Zukunft“, wie sie durch den Prozess der Raumgliederung von 2017-2018 umschrieben wurde.

Aufgrund der Aussetzung des Gesetzes zur Umsetzung der Ergebnisse der Diözesansynode von 2013-2016 durch die Kleruskongregation und die anstehende Überarbeitung des Gesetzes wird dieser Raum nicht als kanonische Pfarrei (nach can 515 cic) errichtet.

Trotzdem werden wir die Bezeichnung „Pfarrei der Zukunft“ in den Erkundungsberichten beibehalten, da dieser Begriff in den vergangenen Jahren ein Arbeitstitel für die neu zu gründenden Räume war. Ebenso wäre es ein sehr hoher redaktioneller Aufwand, dies in den vorliegenden Dokumentationen zu verändern, da der Redaktionsschluss vor den Gesprächen des Bischofs mit der Kleruskongregation und dem päpstlichen Rat für die Gesetzestexte lag.

Download

Hier können Sie die PDF des gesamten Erkundungsberichts (inklusive der im Text erwähnten Anlagen) aus der Pfarrei der Zukunft Neuerburg herunterladen.

Zeitplan

Von der Kontaktaufnahme im März 2018 bis zur Dokumentation im November 2019...

Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse und Wahrnehmungen

Thematische Erkundungen

Der Perspektivwechsel „Weite pastorale Räume einrichten und netzwerkartige Kooperationsformen verankern“ erfordert einen deutlichen inhaltlichen und strukturellen Einschnitt, den wir über Themenabende einüben wollten. In den verknappenden materiellen und personellen Ressourcen, steckt die Chance, Synergien zu entdecken und eine größere Vielzahl an Themen zu entwickeln.

  • Leben im Alter

    Ein wichtiges Thema, das uns von Anfang an in der Pfarrei der Zukunft Neuerburg begleitet hat, war die Frage nach dem Leben im Alter. Die Eifel mit ihren weiten Wegen, mit der großen Landfläche und der eingeschränkten ärztlichen, wie Lebensmittelversorgung, bewegt die Menschen in der Eifel. Auch sehen sie, dass viele ältere Menschen alleinstehend sind und in großen Häusern leben.

    Welche Rolle spielt in Zukunft die Kirche in dieser Frage? Ausgehend von einem thematischen Rendezvous am 20. Februar 2019 in Eschfeld haben wir verschiedene Erkundungen in diesem Themenfeld unternommen. Auch haben Miterkunder und Miterkunderinnen Befragungen durchgeführt.

    Natürlich wurde immer wieder die große Bedeutung des Pastors in der Begleitung der älteren Menschen hervorgehoben. Es ist aber jetzt schon festzustellen, dass diese Erwartung eine Überforderung darstellt, weil die Priesterzahlen zurückgehen. Auch muss diskutiert werden, welche Aufgaben Ehrenamtliche und Laien in Zukunft verstärkt übernehmen sollten. In der Kurzdokumentation „Leben im Alter“ können Sie wesentlich unseren Weg nachlesen.

    Fazit

    • Die vielen Initiativen, die das gleiche Thema haben, gilt es in Kontakt zu bringen und zu vernetzen.
    • Betroffene zu Beteiligten machen.
    • Junge Alte als wichtige Ressource. 
  • Familie in all ihrer Vielfalt

    Ist die Familie noch die Keimzelle der Gesellschaft? Welche Rolle kommt der Familie in Zukunft zu, um sie nicht zu überfordern? Welche Aufgabe sollte in Zukunft die Kirche ausfüllen, wenn wir nach einem ausdifferenzierten Familienbild leben? „Der Familienbegriff hat sich in unserer Zeit erweitert. Familie wird nicht nur dort gelebt, wo Ehepaare Kinder haben, sondern auch dort, wo Frauen und Männer etwa in Patchwork-Familien Verantwortung für die Kinder der Partner übernehmen, wo Alleinerziehende oder Nichtverheiratete mit ihren Kindern zusammenleben, wo mehrere Generationen unter einem Dach wohnen oder wo geleichgeschlechtliche Partnerinnen und Partner elterliche Verantwortung für Kinder übernehmen.“ (Abschlussdokument der Synode im Bistum Trier, 2016, S.34.)  

    In diesem Thematischen Feld haben wir einige Kooperationspartner in Kirche und Kommune gefunden, die mit und für Familien arbeiten, damit der Alltag besser gewährleistet werden kann. In der Kurzdoku „Familien in all ihrer Vielfalt“ beschreiben wir unseren Weg.

    Fazit

    • Es ist wichtig, dass die Initiativen, die das gleiche Anliegen haben, in Kontakt gebracht und vernetzt werden.
    • Das Familienbild in all seiner Vielfalt, wie es die Synode beschreibt, wahrnehmen und sozialräumliche Angebote entwickeln.
    • Familien zu beteiligen ist eine wichtige Zugangsmöglichkeit zu ihrer Lebenswelt. 
  • Jugend und Schule

    Die Weitergabe des Glaubens an unsere jüngere Generation ist eine Herausforderung, der wir uns nicht nur in Familien, sondern auch in Kindertagesstätten und Schulen stellen. Vorrausetzung für eine Glaubensweitergabe ist Neugier und eine Offenheit nach Gott, nach Gemeinschaft und nach christlicher Orientierung. Wir haben die christlichen Werte von Menschenwürde, Nächstenliebe und Freiheit in unserer Verfassung grundgelegt, erleben aber auch immer mehr, dass diese Ursprünge nicht mehr erfasst werden. Besonders im digitalen Zeitalter des Internets und von Sozialen Medien stellt sich heute neu die Frage, wie Evangelisierung möglich ist. Wir haben dieses Feld aus verschiedenen Sichtweisen erkundet und mit jungen Menschen, mit Bildungsverantwortlichen in Schulen, mit Lehrer/innen und Verantwortlichen in der Schulabteilung im Generalvikariat besprochen. Im Folgenden finden Sie in unserer Kurzdokumentation unseren Weg.

    Fazit

    • Schule ist ein wichtiger Ort von Kirche. Sie ist ein Lernort für den Glauben.
    • Jugend- und Lehrerperspektiven sind Chancen für lokale Kirchenentwicklung.
    • Schule als eigenes System hat Bedarf an einer eigenen pastoralen Begleitung. 

Kooperationen – mögliche und bestehende

In den oben genannten Themenfeldern haben wir mit Menschen als Privatpersonen oder als Vertreter von Institutionen gesprochen. Deutlich wurde, dass eine große Offenheit bei weitgehend allen Gesprächen gegeben war, um miteinander in Kontakt zu kommen. Durch das „Netzwerken“, in Kontakt setzen mit Kooperationspartnern im sozialräumlichen Konzeptansatz können wir besser verstehen, welche Themen und Bedarfe eine Gemeinde, ein Stadtteil oder eine Gruppe hat. Sie bietet uns die Chance, sich kennenzulernen, verstanden zu werden oder auch empathisch einen Kontakt aufzubauen, der zu einer Lösung führen kann. Diese Erfahrungen haben wir im Bereich der Kindertagesstätten gemacht, in dem wir gemeinsam bei Kommunen und Kirche und Elternbeiräten erkundet haben, was Familien im Alltag als Unterstützung benötigen. Dies haben wir in Karlshausen erlebt, als Vertreter aus kirchlichen und kommunalen Gremien gemeinsam in einem Ortsrundgang und im anschließenden Gespräch erlebt haben, dass nur gemeinsam Probleme des Ortes gelöst werden können.

  • Ökumene als Chance

    Besonders möchten wir auf die Gespräche mit der evangelischen und der freien evangelischen Gemeinde (FEG) in Prüm hinweisen, die uns noch einmal gezeigt haben, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben. Dort ist schon ein Netzwerk entstanden, das sich an den Bedarfen und den sozialräumlichen Gegebenheiten ausrichtet. In der FEG haben wir Katholiken kennengelernt, die den Gottesdienst mitgefeiert haben, wie auch berichtet bekommen, dass die evangelische Kirche in katholischen Kirchen in der Eifel ihre Gottesdienste feiern darf. Deren Bereitschaft zu Kooperationen mit der katholischen Kirche wurde deutlich formuliert. Auch hier haben wir in Kurztexten zusammengefasst, welche Eindrücke diese beiden Gespräche hinterlassen haben.

  • Kirche und Kommune

    Ein wesentliches Anliegen unseres Erkundungsteams war der Kontakt zu kommunalen Vertretern und Vertreterinnen. In den Sozialräumen, die auch wesentlich von kommunalen Territorien bestimmt sind, haben wir mit dem Landrat und mit den Verbandsbürgermeistern, mit Bürgermeistern, mit Jugendpflegern, kommunalen Einrichtungen und Vertretern des Kreisentwicklungskonzeptes von Zukunftscheck Dorf gesprochen. Wir konnten immer wieder erleben, wie wichtig es ist, dass wir uns im Sinne der Menschen in den jeweiligen Lebensräumen gegenseitig informieren, nach gemeinsamen Themen suchen und ressourcenschonend auch zusammenarbeiten sollten. Dazu gibt es gelungene Beispiele, aber auch viele Wünsche und Notwendigkeiten wurden geäußert.

    Der Bürgermeister und der Pastor haben im volkskirchlichen Gefüge vieler traditioneller Gemeinden noch ein bedeutende Rolle. Im Bereich der Kommune haben sich viele demokratische Strukturen der Mitbestimmung und der Gleichberechtigung entwickelt, die wir in der Kirche noch erweitern können. Auch hier sollten wir voneinander lernen.

    Im Anhang finden Sie die verschiedenen Gespräche mit kommunalen Vertretern und Vertreterinnen: Nr. 01, 19, 24a, 24b, 25.

  • Fazit

    • Kirche und Kommune haben starke Überschneidungen in der Gemeinwesensarbeit und in der Seelsorge – Netzwerke aufbauen ist für eine diakonische Kirchenentwicklung notwendig („Wir wollen alle das Gleiche, warum machen wir es nicht zusammen?“ kommunaler Vertreter).
    • Was können wir von den kommunalen Initiative lernen?

Sozialräume beschreiben - Bedeutung des Dorfes

Wir sind immer wieder gefragt worden, was das Konzept der Sozialräumlichen Erkundung bedeutet. Diese Methoden, die aus der sozialen Arbeit  entstanden sind, dienen der Erkundung, um Bedarfe zu ermitteln und Zusammenhänge innerhalb der Sozialräume zu erkennen. Als Sozialraum definieren wir den sozialen Nahraum von Menschen, der zwar sehr individuell sein kann, aber durch die allgemeinen Bedürfnislagen wie Ärzteversorgung, Nahversorgung mit Lebensmitteln, Kita- und Schulentfernungen und auch seelsorgerliche Anbindung allgemein verdichtet werden kann. Der Eifelkreis Bitburg- Prüm hat in seinem Projekt zur sozialräumlichen Nahversorgung Kooperationsräume gefunden, die diesem Anliegen gerecht werden wollen. Dieser Nahraum stellt eine sozial- konstruierte Wirklichkeit des wechselseitigen Austauschs, einer spezifischen Kommunikation und des Zusammenlebens dar.

Auch die Synode beruft sich auf dieses Konzept. („Die Orientierung am Sozialraum der Menschen wird grundlegend für die zukünftige pastorale und caritative Arbeit des Bistums Trier sein.“ Abschlussdokument der Synode, 26.)    

Das bedeutet für uns als Erkundungsteam, dass wir exemplarisch mit den Miterkundern und Miterkunderinnen und den Gastgebern der Ortserkundungen besprochen haben, für welche Sozialräume sie sich verantwortlich fühlen und zu klären, wie diese entstanden sind und welche Besonderheiten vorliegen. Ortsgemeindegremien sehen ihren Sozialraum wesentlich im Wohnort, nehmen auch wahr, dass durch Zuzug, berufliche, wie auch schulische Wege, die Bevölkerung eine hohe Mobilität entwickeln muss. Damit verändern sich auch die Themen und Bedarfe im Ort. In den folgenden exemplarischen Ortserkundungen haben wir unterschiedliche Sozialräume kennengelernt.

Fazit

  • Ortserkundung ist eine gute Methode, um sozialräumlich zu erfassen, wie die Menschen leben und um miteinander in Kontakt zu kommen.
  • Die Stärke einer möglichen Zusammenarbeit, gerade in den kleinen Gemeinden auf dem Lande, ist ein Fundus an Engagement. Das dort vorhandene Zusammengehörigkeitsgefühl als Ressource wahrnehmen.
  • Energien und Synergien im Nahraum erforschen und deuten.
  • Menschen erleben Kirche nicht mehr in ihrem Nahraum, aber dennoch ist sie da. Kirche im volkskirchlichen Sinne geht verloren, aber Unterstützung und Initiativen sind vielfältig vorhanden. Transparenz schaff en („Ihr müsst zeigen, was alles Kirche ist“, kommunaler Vertreter).
  • Dörfer und ihre Identitäten sind stärker, wenn sie in Kooperation mit den umliegenden Gemeinden und Netzwerken in der Pfarrei der Zukunft agieren. 

Konsequenzen aus der Erkundung

Hier stellen wir abschließend einige uns wichtig erscheinende Konsequenzen und Schlussfolgerungen aus der Erkundung zusammen:

Besonders wichtig für eine gute Entwicklung der Pfarrei der Zukunft Neuerburg ist die Vernetzung mit nichtkirchlichen Organisationen und vor allem auch mit Initiativen der Kommunen. Hier gilt es, auf Augenhöhe mit den Kooperationspartnern zu sein.

Die sozialräumliche Orientierung, die wir mit den Erkundungen exemplarisch zeigen wollen, sollte fester Bestandteil einer Pfarrei der Zukunft sein.

Dabei geht es um folgende Haltungen:

  • Wahrnehmen
  • Rausgehen
  • Hören
  • Verändern lassen im Sinne von Gaudium et spes: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“   

Langfristig muss es darum gehen, die geknüpften Vernetzungen auch aufrechtzuerhalten. Haupt- und Ehrenamtliche in den Kirchengemeinden wünschen sich qualifizierte Unterstützungsmodule, um den Anliegen der Synode gerecht werden zu können.

Andere (Kommunen, Firmen, Verbände…) haben viele Erfahrungen schon gemacht, wir können von ihnen lernen, z. B.:

  • Strukturreform
  • Bedürfnisse erfassen
  • Themen der Menschen identifizieren

Oft gab es bei den Gesprächspartnern vor Ort ein Aha- Erlebnis: „Kirche hat ja noch nie gefragt. Endlich fragt uns mal jemand“.

Erkundung lernen (inklusive der notwendigen Haltungen) braucht Zeit, muss praktisch geschehen, braucht Anleitung/Begleitung. Hier bedarf es der Schulung und praktischen Begleitung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Blick auf sozialräumliches Arbeiten.

Wunsch von Institutionen: Zugehen auf Institutionen, Kontakte knüpfen, Kommunikation pflegen, Kooperation auf Augenhöhe. Dies zu initiieren kann gut Rolle von Kirche sein. Regelmäßige Netzwerkertätigkeiten von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind notwendig, um Sozialräume verstehen zu lernen.

Gemäß dem Synodenabschlussdokument wird Sozialraumorientierung verbindlich der Seelsorge, der Katechese sowie der sozial-caritativen Arbeit als Handlungsprinzip zu Grunde gelegt. Sie bietet die Chance, das Selbstverständnis der Caritas als „Kirche vor Ort“ zu leben und sich in enger Kooperation mit Seelsorge und anderen kirchlichen Akteuren für das solidarische Miteinander in den pastoralen Räumen und zugleich im Raum der Bürgergemeinden zu engagieren. 

Wir haben es im besonderen Maße als wichtig erfahren, dass die Haltung des Nichtwissens, mit der wir in dem uns fremden Raum der Eifel unterwegs waren, uns viele Türen geöffnet hat.

Unbedarft und mit großem Interesse haben wir gelernt, ohne direkt Bilder im Kopf bedienen zu können. Diese Grundhaltung des „interessieren für…“ schafft Beziehung und Offenheit, es macht Lust weiter mitzugehen und Ideen zu entwickeln.

Das größte Entwicklungspotential liegt außerhalb unserer klassischen Kirchengemeinden. Über die Sichtweise des sozialräumlichen Denkens werden alle Menschen einbezogen.


Zum Schluss wollen wir auf ein Biblisches Wort Lk 10, 1–2 Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger und Jüngerinnen hinweisen: Lassen wir uns alle aussenden zu den Menschen, die im Geiste Jesu Christi leben wollen. Lassen wir uns alle aussenden zu den Menschen, die im Geiste Jesus Christi am Rande (unserer Sozialräume) stehen und Not haben. Lassen wir uns alle aussenden zu den Menschen, die im Geiste Jesu Christi Gott loben wollen, weil wir das Leben in Fülle haben.