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Bericht zur Erkundung in der Pfarrei der Zukunft Daun

In den Begegnungen und Gesprächen sowie bei den verschiedenen Veranstaltungsformaten in der Pfarrei der Zukunft Daun, zeigten sich in den vergangenen Monaten Themen, die die Menschen, die in dem Gebiet der Pfarrei der Zukunft Daun leben, bewegen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Themen, die sich auf die Kirche vor Ort und im Allgemeinen beziehen und Themen darüber hinaus, die eine besondere Bedeutung für diesen Raum haben und dort eine Rolle spielen. Diese Themen und Beobachtungen sollen hier im Folgenden aufgezeigt werden. Einige der Themen werden ausführlicher in den Kurzdokumentationen dargestellt.

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Hier können Sie die PDF des gesamten Erkundungsberichts (inklusive der im Text erwähnten Anlagen) aus der Pfarrei der Zukunft Daun herunterladen.

Kirchenbezogene Themen aus der internen Perspektive

  • Pfarrei und Pfarrei der Zukunft

    Die Tatsache, dass es im Bistum Trier in Zukunft „nur noch“ 35 Pfarreien der Zukunft geben soll hat im ländlich geprägten Raum der Pfarrei der Zukunft Daun für viel Unverständnis, Angst, Frust, Wut und Verunsicherung gesorgt. Da der neue Begriff Pfarrei der Zukunft zu Beginn der Erkundungsphase noch nicht näher definiert war, war und ist es für viele Menschen schwer sich das Neue konkret vorzustellen. Auch aufgrund der Tatsache, dass in der lokalen Tagespresse immer wieder von den sog. „XXL-Pfarreien“ die Rede ist, besteht die Gefahr, da das Neue noch nicht beschrieben war, das vorherrschende Bild von Pfarrei auf die Pfarrei der Zukunft zu übertragen. Hintergründe dazu können u.a. in der Erfahrungen der Zusammenlegung (Projekt 2020) bzw. Fusion der Pfarreien gesehen werden. Die Fläche des pfarrlichen Lebens wurde immer größer und Pfarrer sowie Hauptamtliche waren nicht mehr „nur“ für eine Pfarrei, sondern für mehrere Pfarreien zuständig. Laut Verbandsbürgermeister Klöckner (VG Daun) spielen in diesem Zusammenhang auch die Erfahrungen der kommunalen Reformen und Fusionen in den letzten Jahrzehnten eine Rolle.

  • Das „Neue“ ist schwer verständlich

    Viele strukturelle und inhaltliche Sachverhalte sind zur Pfarrei der Zukunft noch nicht geklärt und schwammig. Das erschwert die Kommunikation. Für viele sind die Dinge und neuen Konzepte schwer verständlich, weil Sie die bis jetzt übliche (alte) Praxis der Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften eins zu eins auf die neue Pfarrei der Zukunft übertragen. Die Vermittlung des Neuen ist erschwert, weil noch keine „Bilder“ bzw. „Konkretes“ vorhanden sind und diese entwickelt werden müssen. Die innerkirchliche Sprache (komplizierte Begriffe, wie z.B. Erkundung) und Erläuterungen erschweren die Kommunikation. Zusätzlich war zu beobachten, dass viele keine Notwendigkeit zur Veränderung erkennen können.

  • Unklarheiten aushalten – Wunsch nach Selbstbestimmung und klaren Vorgaben

    „Es kann doch nicht wahr sein, dass die immer noch keine Antworten haben.“ Diese Aussage verdeutlicht ein weiteres Spannungsfeld. Seit der Veröffentlichung der Raumzuschnitte wächst der Wunsch nach schnellen, konkreten Informationen wie die Pfarrei der Zukunft sein soll stetig – vor allem mit Blick auf die Themen Vermögen und Strukturen. Je mehr Zeit verging desto mehr Ungeduld, Unverständnis und Wut waren darüber zu beobachten, dass die gewünschten konkreten Informationen nur schleppend bzw. gar nicht gegeben werden und noch immer vieles offen ist. Es fiel auf, dass es vielen, die im pastoralen Bereich aktiv sind, schwer fällt diese offene Situation und die damit verbundenen offenen Fragen auszuhalten. Diese Ungeduld war v. a. zu Beginn der Erkundungsphase bei den Rendezvousveranstaltungen zu beobachten. Darüber hinaus zeigt sich ein weiterer Aspekt: Während einerseits eine deutlichere Klarheit und Vorgaben für den Prozess im Gesamten und vor Ort eingefordert wurde, zeigt sich aber auch z.T. heftiger Widerstand, wo es klare Ergebnisse/Vorgaben von der Bistumsseite gibt. Der Wunsch nach Selbstbestimmung nimmt in dem Maße zu, wie Vorgaben gesetzt werden. Es ist in allen Bezügen feststellbar, dass je mehr Beteiligung (HA/EA) erfolgt, desto unzufriedener werden die Beteiligten. Der Vorwurf lautete oft, dass es sich um „Scheinbeteiligungen“ handelt, und das Bistum doch seine Dinge durchsetzen möchte.

  • Fehlendes Vertrauen ins Bistum und seine Prozessgestaltung

    Hier taucht die Frage auf, „Wer bzw. was ist mit Bistum gemeint?“ Es werden immer verschiedene Personen, Ebenen, Zuständigkeiten damit verbunden: der Bischof, die Weihbischöfe, die Bistumsleitung, der Generalvikar, das Dekanat, das Generalvikariat, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge, die Diakone und Priester, Einrichtungen etc.

    Gerade zu Beginn der Erkundungsphase spielte dieses Thema eine große Rolle und ist womöglich ein weiterer Grund dafür, dass sich viele ehrenamtlich Engagierte mit Blick auf ein Mitwirken in der Erkundungsphase eher zurückhaltend gezeigt haben. In Gesprächen und bei Veranstaltungen wurden oftmals Verletzungen und Enttäuschungen aus der Vergangenheit thematisiert, die gerade ehrenamtlich Engagierte mit Blick auf die Themen Beteiligung, Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit erfahren haben. In der Vergangenheit scheinen viele die Erfahrung gemacht zu haben, dass sie sich bei Entscheidungen, Mitbestimmung und Beteiligung (sowohl auf der Bistumsebene als auch vor Ort) nicht ernst genommen und gehört fühlten, bzw. ihre Gedanken und Ideen keine Relevanz gehabt haben „und in der Schublade verschwunden sind“. Daher standen einige dem Konzept der Erkundungsphase, das auf Beteiligung aus war, eher skeptisch gegenüber – auch verbunden mit der Frage was mit den Ergebnissen der Erkundungsphase geschieht und welche Relevanz sie haben. Sie wollten sich nicht für etwas einbringen, dass „wieder in der Schublade verschwindet“.

  • Fehlende Wertschätzung und Anerkennung

    Eng verbunden mit dem vorherigen Punkt sind die Themen Umgang miteinander, Wertschätzung und Anerkennung im kirchlichen Bereich auf mehreren Ebenen: ... Der „verordnete“ Abschied von „Altem“, „Bisherigen“ und „Liebgewonnenem“ im Rahmen des Synodenumsetzungsprozess wird oftmals auch als fehlende Wertschätzung und Anerkennung wahrgenommen. Ganz besonders wird dies mit Blick auf die „Abschaffung“ der bisherigen Rätestruktur deutlich. Sie wird als fehlende Wertschätzung und Anerkennung von Seitens der Bistumsleitung gegenüber den Mitgliedern der Räte gesehen, die in den vergangen Jahrzehnten eine Fülle an Aufgaben übernommen und einen wertvollen Dienst geleistet haben. Darüber hinaus wurde in Gesprächen ein Wunsch nach mehr Anerkennung und Wertschätzung ehrenamtlichen Engagements (Dankeskultur) deutlich.

  • Befürchtungen „Die Kirche entfernt sich von den Menschen“

    Diese Äußerung basiert u.a. auf der Grundlage der Zuschnitte der zukünftigen Pfarreien der Zukunft und der aktuellen Wahrnehmung, dass es zu viele Aufgaben gibt, zu wenig Zeit für Seelsorge da ist und die Präsenz in der Fläche verloren geht. Diese Befürchtung war fast durchgängig in allen Begegnungen und Gesprächen vorhanden. Darüber hinaus spielen auch Ansichten und Positionen der Kirche, z. B. Umgang mit der Missbrauchsthematik, eine Rolle in dieser Einschätzung.

  • Kirche ist vielfältig

    In den Begegnungen, Gesprächen und Kontakten der letzten Monate wurde immer wieder deutlich, wie vielfältig Kirche in der zukünftigen Pfarrei der Zukunft Daun ist. Es gibt eine Fülle an kirchlichen Gruppierungen und Einrichtungen. Seien es die vielen ehrenamtlich Engagierten, die sich mit viel Herzblut in den Räten und in Gruppen der Pfarreien und darüber hinaus, einbringen. Hinzu kommen die kirchlichen Einrichtungen und ihre Dienste in den unterschiedlichsten Bereichen. Es gibt Kooperationen über den Tellerrand hinaus. Allen gemeinsam ist, dass sie einen wertvollen Dienst an den Menschen vor Ort leisten.

    An manchen Stellen wurde jedoch beklagt,

    • ... dass man gerne (stärker) als Ort von Kirche gesehen und anerkannt werden möchte (gerade auch in den kirchlichen Strukturen selbst), da in der Öffentlichkeit oft nicht wahrgenommen wird, dass Kirche mehr als Pfarrei, Gottesdienste, die Räte und die Hauptamtlichen ist.
    • ... dass eine stärkere Vernetzung zwischen Caritas und Pastoral wünschenswert ist, denn thematisch liegen beide Bereiche oft sehr eng beieinander und können voneinander profitieren.

    (Vgl. Kurzdokumentation Nr. 6, Nr. 9 und Kontakt zu WEGE-Projekt der VG Daun)

     

Kirchenbezogene Themen aus der „externen“ Perspektive

  • Image und Glaubwürdigkeit der Kirche

    In mehreren Bezügen wurde (mit Besorgnis) wahrgenommen, dass Kirche zunehmend an Präsenz und Bedeutung verliert. (Vgl. Kurzdokumentationen Nr. 6 und Nr. 7)  

    Der Image- bzw. Glaubwürdigkeitsverlust wird neben den Entscheidungen auf regionaler Ebene (u.a. durch die Entscheidungen des Bischofs mit Blick auf die Raumzuschnitte und Vermögensfragen) aber auch auf einer grundsätzlichen Ebene gesehen. Themen, die in diesem Kontext immer wieder eine Rolle spielten waren: Ansichten und Positionen der Kirche, die Missbrauchskrise und ihre Auswirkungen, sowie Teilhabe an Entscheidungsprozessen, Übernahme von Verantwortung vor Ort und Nähe und Präsenz der Kirche vor Ort/bei den Menschen. (Vgl. Papst Franziskus, Evangelii gaudium, Nr. 100)  

    Außerdem wird in diesem Kontext Kommunikation als Dialog von „oben nach unten“ wahrgenommen und nicht als beteiligungsorientierter Gesprächsprozess.

  • Verbindlichkeit in Ansprechpartnern, Personen, Orten und Gottesdienstzeiten

    In Zeiten, in denen sich die kirchlichen Strukturen verändern werden, braucht es eine Verbindlichkeit in Ansprechpartnern, Personen, Orten und Gottesdienstzeiten. (Vgl. Kurzdokumentationen Nr. 1 und Nr. 6)  

    Auch und gerade in Krisen- und Notsituationen braucht es eine Verbindlichkeit von Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern, an die man sich wenden kann und die auch erreichbar sind. (Vgl. Kurzdokumentation Nr. 2)

Allgemeine Themen

  • Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

    (Vgl. Kurzdokumentationen Nr. 4 und Nr. 10)

    Kinder- und Jugendliche und besonders auch junge Erwachsene brauchen eine besondere Aufmerksamkeit und Sorge. Sie alle sind in den jetzigen kirchlichen Strukturen wenig im Blick. Im Rahmen des ersten Miterkundertreffens haben sich zwei Personen eine Anwaltschaft für dieses Thema übernommen und eigenständige Erkundungen anvisiert. (Hierzu liegen bisher leider keine Rückmeldungen vor. Der Kontakt kann aber über das Erkunderteam hergestellt werden.)  

  • Ehrenamtliches Engagement

    Vgl. Kurzdokumentationen Nr. 2 und Nr. 8

    Neben den Begegnungen mit ehrenamtlich Engagierten im Rahmen der Rendezvous-Veranstaltungen und den Miterkundertreffen, gab es auch ein einen Kontakt mit dem Verantwortlichen des Vereins Bürger für Bürger. Folgendes kann festgehalten werden: ... Menschen wollen sich vor Ort einbringen, stellen Ressourcen zur Verfügung (Zeit, Kraft, Geld, Material, …) und möchten etwas Sinnvolles tun (Mitarbeit an einem größeren Ganzen), sie binden sich in kurzfristigem und punktuellem Engagement (abschreckend sind langfristige Mitgliedschaften)

    • Menschen wollen Verantwortung übernehmen und übertragen bekommen.
    • Menschen wollen mitgestalten und mitentscheiden und nicht bloß Ausführende von Ideen von anderen sein.
    • Es braucht eine Qualitätssicherung: Fort- und Weiterbildung, Dankes-, Wertschätzungs-, und Abschiedskultur.
    • Vernetzung mit kommunalen Aktivitäten kann noch besser genutzt werden.
  • Kommunaler Erkundungsprozess WEGE-Projekt

    Vgl. Kurzdokumentationen Nr. 6 und Nr. 7

    In den Gesprächen mit den VG Bürgermeistern ist deutlich geworden, dass die Kirche von den kommunalen Erkundungsprozessen der letzten Jahre profitieren kann. 2010 ist WEGE-Prozess (Wandel erfolgreich gestalten) in der VG Daun gestartet. Dieser Prozess war/ist eine Art kommunaler Erkundungsprozess, aus dem ganz konkrete Projekte hervorgegangen sind: „Bürger für Bürger“, Dauner Viadukt, Bürgerbus, sorgende Gemeinschaften etc. Die Ergebnisse und Beobachtungen haben auch für die Kirche vor Ort hohe Relevanz. Kirche kann hier in erheblichen Maß von den kommunalen Ergebnissen profitieren und stößt bei den Kommunen auf offene Türen. Die Kommunen sind sehr an einer Zusammenarbeit mit der Kirche interessiert und wünschen sich eine stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit. Als gemeinsame Player vor Ort kann man gemeinsam Ressourcen nutzen und die Zukunft im ländlichen Raum gestalten.

  • Medizinische Versorgung und Pflege im ländlichen Raum

    Vgl. Kurzdokumentationen Nr. 6, Nr. 7, Nr. 9, Nr. 5 und Nr. 8

    In den Gesprächen vor dem Krankenhaus und mit der Einrichtungsleitung der Sozialstation Daun ist deutlich geworden, dass Pflege und medizinische/ärztliche Versorgung in einem sehr ländlich geprägte Raum ein Thema von hoher Relevanz ist. Fast jede Familie/jeder Haushalt ist in davon betroffen. Kirche wird in diesem Kontext als enorm wichtig wahrgenommen, nicht nur im Sinne von seelsorglicher Begleitung von Patienten, Mitarbeitenden, Angehörigen und Sterbenden, sondern auch als politischer Player vor Ort und auf einer höheren Ebene. Pastoral bieten sich hier viele Themen, die der Vertiefung und Weiterführung bedürfen: Alter und Einsamkeit, Pflegende Angehörige, alternative Wohnkonzepte im Alter, Sterbe- und Trauerbegleitung, Kranken- und Seniorenseelsorge. Wie kann Kirche sich hier als „Prophetin“ auftreten, die Sorgen und Nöte der Menschen, die Zeichen der Zeit deuten und in den politischen Diskurs einbringen? „Warum und wozu Kirche“ bekommt auf dem Hintergrund dieser „Notsituation“ eine besondere Bedeutung. Im Bereich von Pflege und medizinischer Versorgung erleben die Menschen vor Ort eine ganz konkrete Sorge und Not und wünschen sich Unterstützung und Beistand durch die/ihre Kirche.

Erfahrungen, von denen Kirche lernen kann (lernende Organisation)

WEGE Projekt VG Daun

Kirche kann vom WEGE–Prozess in mehrfacher Hinsicht lernen:

  • ... Wie bereite ich einen Erkundungsprozess vor und wie führe ich ihn durch?
  • ... Sie kann auf Ergebnisse zurückgreifen und kommunalen Erkenntnissen lernen.
  • ... Sie kann konkrete Kooperationen und Synergien suchen und nutzen.
  • ... Netzwerke erleichtern das Arbeiten vor Ort und schaffen oft ungeahnte und fruchtbringende Beziehungen.
  • ... Kontinuität statt Eventkultur und kurzfristige Projekte.
  • ... Scheitern gehört zum Wachsen – lernende Organisation werden.

Gott am Ring

(Presseartikel Rock am Ring 2018 und 2019)

Das Angebot „Gott am Ring“, das während des Festivals „Rock am Ring“ stattfand, war nicht Gegenstand einer Erkundung. Es wurde aber als Beispiel für eine Kirche, die sich öffnet und andere Orte aufsucht, bei den Rendezvousveranstaltungen vorgestellt. Es ist ein Projekt, das durch das Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen vor Ort gewachsen ist und mittlerweile weit über die Pfarrei der Zukunft bekannt ist. Die Idee dahinter ist: Hier wird Kirche als „neu“, „frisch“ und „offen“ erlebt. Sie zeigt sich an ungewohnten, d.h. sog. „Anders-Orten“ und ist in schlichter, einfacher und einladender Präsenz da. Es ist ein ökumenisches Projekt mit einem offen Ohr, Zeit für Ruhe, Gespräch und einen Kaffee.

Ausblick: Hinweise und Perspektiven

Die in den vorherigen Kapiteln geschilderten Themen, Wahrnehmungen, Spannungsfelder und Fundstücke bieten alle eine gute Möglichkeit – sofern das nicht bereits der Fall ist – zum Anknüpfen, um Kirche vor Ort weiter zu gestalten und zu entwickeln. Sie sind mit der durch die Bistumssynode aufgeworfenen Grundfrage verbunden: Wozu sind wir Kirche (vor Ort, in der Pfarrei der Zukunft, im Bistum), und was ist im Sinne des Evangeliums unser Auftrag? Einige der Kurzdokumentationen enthalten konkrete Hinweise und Perspektiven zu möglichen Anknüpfungspunkten. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle die Kurzdokumentation Nr. 1 „Erste Schritte ins Erkunden“ mit den zugehörigen Anlagen. Dort veranschaulichen die Ergebnisse der Workshops der Einstiegsveranstaltungen konkrete Orte, Themen und Personen sowie weitere Hinweise, über die Kontakte hinaus, die das Erkundungsteam aufgenommen hat. Dieser Pool an Informationen und Hinweisen bietet noch viele Möglichkeiten der Vertiefung und zu eigenständigen, weiterführenden Erkundungen – für den Zeitraum des Übergangs in die Pfarrei der Zukunft und darüber hinaus, um die Erkenntnisse bei der pastoralen Ausrichtung der Pfarrei der Zukunft zu berücksichtigen.

In diesem Kapitel möchte das Erkundungsteam – basierend auf eigenen Erfahrungen und O-Tönen während der Erkundungsphase – einige Hinweise und Perspektiven aufzeigen, die helfen können, den weiteren Weg der Veränderung zu gestalten bzw. Erkundung als Haltung einüben zu lernen.

  • Was heißt Kirche eigentlich für mich?

    Kirchenbilder können ein Verständnisschlüssel dafür sein, warum es vielen schwer fällt, den Synodenumsetzungsprozess nachzuvollziehen bzw. warum die Gemüter teilweise so erhitzt sind. Da das Bistum mit der Idee der Pfarrei der Zukunft ganz neue Wege geht, ist klar, dass damit auch viele Menschen, die ein anderes Bild von Kirche haben, verschreckt und verärgert sind. Ein Austausch und Dialog über die je eigenen Kirchenbilder wäre daher sicherlich eine Möglichkeit und Chance, die Menschen (innerhalb der kirchlichen Bezüge) mit auf den Weg der Veränderung zu nehmen und darüber ins Gespräch zu kommen, was einem an der Kirche wichtig, liebens- und bewahrenswert ist. Es gab im Rahmen der Erkundung auch Begegnungen mit Menschen, die (vorsichtige) Hoffnungen in den Veränderungsprozess setzen und für die Kirche nicht (mehr) anders denkbar ist als in Form dieser Haltungsänderung.

  • Mut zu mehr Dialog auf Augenhöhe und Transparenz!

    Dialog auf Augenhöhe und Transparenz spielen eine zentrale Rolle bei der Frage, wie es gelingen kann, dass die Ängste der Menschen vor Ort nicht überhand gewinnen und sie  mitgenommen werden können.

  • Da, wo gut kommuniziert wird, laufen die (Veränderungs-)Prozesse besser!

    Kommunikation, die eine Anschlusskommunikation ermöglicht, ist das A und O bei Veränderungsprozessen um Ängste abzubauen und Menschen zu beteiligen. Immer wieder wurde deutlich, dass viele Menschen vor Ort sich eine bessere Kommunikation unter- und miteinander wünschen und sie Orte und Foren brauchen, um in einen Austausch mitteinander zu treten.

  • „Aus Fehlern lernt man!“

    Veränderungsprozesse gehen einher mit dem Ausprobieren von Neuem. Der offene und konstruktive Umgang mit Fehlern und Scheitern ist ein wichtiger Faktor für eine Weiterentwicklung. Dazu gehört auch, barmherzig mit Fehlern anderer umzugehen.

  • „Freiraum geben für neue Ideen“

    Es kann nur dazu ermutigt werden, Neues auszuprobieren und neue Ideen zuzulassen, sie auszuprobieren und sie zu unterstützen. Das erfordert eine (Beg)Leitung, die den beteiligten Personen Freiraum lässt zu gestalten und sich einzubringen, und sie zu unterstützen.

  • Der Blick über den Tellerrand lohnt sich

    Gespräche und Begegnungen mit nicht kirchlichen Personen und Gruppen sind bereichernd und inspirierend. Es braucht Räume, Angebote und Möglichkeiten, in denen diese Erfahrung gemacht werden kann.

  • „Kirche muss dahin, wo die Menschen sind“

    Eine eigene Erfahrung des Erkundungsteams, aber gleichzeitig auch eine Rückmeldung, Ermutigung und Erwartung vieler Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner ist es, dass Kirche sich nicht in sich zurückzieht, sondern sich wieder mehr öffnet und auch an anderen Orten, außerhalb der klassischen Kirchorte, präsent ist. „Raus zu gehen“ zu den Menschen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen – diese „neuen“ Erfahrungen und daraus resultierenden neuen Perspektiven sind unheimlich bereichernd. Nur Mut! Dass die Kirche wieder mehr in Nähe und Begegnung investiert, wird von Kirche auch von externen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern gewünscht und erwartet.

  • „Schön, dass Kirche sich für mich interessiert“

    Diese Aussage ist dem Erkundungsteam immer wieder begegnet. Sie ist ein Resultat davon, wenn Kirche sich stärker aus ihren bisherigen Bezügen hinaus bewegt und an „andere“ Orte geht, sich Menschen zuwendet, die ansonsten häufig nicht im Blick sind. Durch eine sich interessierende Kirche fühlen sich Menschen, Gruppierungen und Einrichtungen „gesehen“.

  • Was gibt es vor Ort schon?

    Im Rahmen einer Weiterentwicklung von Kirche ist es auch ein wichtiger Aspekt – in Anlehnung an die Erfahrungen der kommunalen Entwicklung – herauszufinden, was es vor Ort schon gibt, welche Bedarfe von Menschen geäußert werden, und wo konkret Bedarf ist. Darüber hinaus könnte konkret die Frage gestellt werden: „Was können wir, was andere nicht können? Was zeichnet uns aus?“ (Vgl. Kurzdokumentation Nr. 18).

  • Arbeiten in Netzwerken ist bereichernd und inspirierend

    Vor Ort gibt es viele mögliche Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner, die ähnliche Ziele verfolgen. Hier sind Synergien herzustellen und zu nutzen. Es sollten Möglichkeiten genutzt werden, sich in bestehende Netzwerke zu integrieren, aber auch bei Bedarf selbst Netzwerke auf den Weg zu bringen.

  • Multiprofessionelle Teams erweitern die Perspektive!

    Die multiprofessionelle Zusammensetzung der Erkundungsteams ist ein gelungenes Beispiel für diese bereichernde Art des Arbeitens! Die genannten Hinweise und Perspektiven sollen ermutigen, „einen deutlichen inhaltlichen und strukturellen Einschnitt zu setzen“, das heißt „das Verhältnis von Nähe und Weite neu zu bestimmen und in den Sozialräumen der Menschen aktiv Gemeinde und Kirche zu bilden“ (ABSCHLUSSDOKUMENT DER SYNODE „HERAUSGERUFEN“, TRIER 2016, S. 20)

"Die Erkundungsphase und ihre Ergebnisse sollen dazu ermutigen, Erkundung als Haltung dauerhaft zu etablieren und Kirche in diesem Sinne zu entwickeln."

(VGL. RAHMENLEITBILD FÜR DIE PFARREIEN, STAND 01.10.2019, EBENE I, SEITE 5 –13).