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Bericht zur Erkundung in der Pfarrei der Zukunft Bitburg

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Hier können Sie die PDF des gesamten Erkundungsberichts (inklusive der im Text erwähnten Anlagen) aus der Pfarrei der Zukunft Bitburg herunterladen.

Themen, Wahrnehmungen und Spannungsfelder

In den Begegnungen und Gesprächen sowie bei den verschiedenen Veranstaltungsformaten in der Pfarrei der Zukunft Bitburg zeigten sich während der Erkundungsphase eine Fülle von Themen, die die Menschen, die in diesem Gebiet leben, bewegen. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Themen, die sich auf die Kirche vor Ort und im Allgemeinen beziehen, und den Themen darüber hinaus, die eine besondere Bedeutung für diesen Raum haben und dort eine Rolle spielen. Diese Themen sollen hier im Folgenden, gemeinsam mit weiteren Wahrnehmungen und Spannungsfeldern zusammenfassend, aufgezeigt werden.

Dabei ist zu unterscheiden zwischen den Themen, die eine besondere Bedeutung für diesen Raum haben und dort eine Rolle spielen, und den im engeren Sinne kirchlichen Themen und Fragen. Die Erkundung zielte darauf, die Themen der Menschen vor Ort herauszufinden, auch ganz unabhängig von kirchlichen Bezügen. Die Erfahrung war aber, dass zunächst kircheninterne Themen, Wahrnehmungen und Spannungsfelder sich sehr stark in den Vordergrund drängten und die ganze Aufmerksamkeit auf sich zogen. Dadurch kamen weitere Themen der Menschen erst nach und nach in den Blick. Die Darstellung folgt dieser Prozessdynamik, indem zunächst diese kirchenbezogenen Themen vorgestellt werden ( 1 ).

Auch im Gespräch mit Menschen an nicht kirchlichen Orten war häufig von Kirche die Rede. Hier wurde deutlich, wie die Kirche gewissermaßen von außen wahrgenommen und was von ihr erwartet wird ( 2 ).

Daneben wurden jedoch auch viele Themen sichtbar, die unabhängig von Kirche den Raum prägen und die Menschen beschäftigen ( 3 ).

Eine ausführlichere Darstellung der folgenden Themen und Wahrnehmungen befindet sich in den einzelnen Kurzdokumentationen in Kapitel 3.  

1) Kirchenbezogene Themen, Wahrnehmungen und Spannungsfelder aus der internen Perspektive

  • Spannungsfeld: Pfarrei und Pfarrei der Zukunft

    Die Tatsache, dass es im Bistum Trier in Zukunft „nur noch“ 35 Pfarreien der Zukunft geben soll, hat im ländlich geprägten Raum der Pfarrei der Zukunft Bitburg für viel Unverständnis, Angst, Frust, Wut und Verunsicherung gesorgt. Gleichzeitig wurden dadurch aber auch viele Fragen aufgeworfen: „Wie soll Seelsorge in diesen großen Räumen denn noch möglich sein?“, „Was ist mit unserem Pastor?“, „Was ist mit unserer Messe am Sonntag?“

    Da der neue Begriff Pfarrei der Zukunft zu Beginn der Erkundungsphase noch nicht näher definiert war und erst nach und nach näher beschrieben wird, war und ist es für viele Menschen schwer, sich das Neue konkret vorzustellen. Auch aufgrund der Tatsache, dass in der lokalen Tagespresse immer wieder von den sogenannten „XXL-Pfarreien“ die Rede ist, besteht die Gefahr, da das Neue noch nicht beschrieben war, das vorherrschende Bild von Pfarrei, das vertraut ist, auf die Pfarrei der Zukunft zu übertragen.

    Hintergründe dazu können unter anderem in den Erfahrungen der Zusammenlegung bzw. Fusionierung der Pfarreien gesehen werden: Die Fläche des pfarrlichen Lebens wurde immer größer und Pfarrer sowie Hauptamtliche waren nicht mehr „nur“ für eine Pfarrei, sondern für mehrere Pfarreien zuständig. Laut Verbandsbürgermeister Junk (Verbandsgemeinde Bitburger Land) spielen in diesem Zusammenhang auch die Erfahrungen der kommunalen Reformen und Fusionen in den letzten Jahrzehnten eine Rolle.

    Vgl. Kurzdokumentation 15.

  • Befürchtung „Die Kirche entfernt sich von den Menschen“

    Dieser O-Ton bezieht sich auf den Zuschnitt der Pfarreien der Zukunft und der aktuellen Wahrnehmung, dass es zu viele Aufgaben gibt, zu wenig Zeit für Seelsorge da ist und die Präsenz in der Fläche verloren geht. Diese Befürchtung war fast durchgängig in allen Begegnungen und Gesprächen vorhanden. Darüber hinaus spielen auch Ansichten, Positionen und Vorgehensweisen der Kirche, zum Beispiel der Umgang mit der Missbrauchsthematik, eine Rolle in dieser Einschätzung. Vgl. z. B. Kurzdokumentation 10.

  • Das Neue ist schwer verständlich

    Neben der Tatsache, dass zum Zeitpunkt der Erkundungsphase vieles noch nicht genau geklärt war, wie die Pfarrei der Zukunft funktionieren soll, ist der Inhalt des bereits Geklärten bzw. das, was sich dahinter verbirgt, für viele schwer verständlich. Das liegt zum einen an komplizierten Begriffen und Erläuterungen, aber auch daran, dass sich hinter diesen „neuen“ Begriffen etwas verbirgt, mit dem es noch keinerlei Erfahrung gibt bzw. das noch nicht bekannt ist. Mit Blick auf den Zweck der Erkundungsphase war darüber hinaus zu beobachten, dass viele sich schwer taten zu erkennen, warum eine Erkundung notwendig sein soll.

  • Spannungsfeld: Zwischen dem Aushalten des offenen Prozesses und dem Wunsch nach schneller Klarheit

    „Es kann doch nicht wahr sein, dass die immer noch keine Antworten haben.“ „Wie geht es denn jetzt konkret weiter?“ Diese Aussagen verdeutlichen ein weiteres Spannungsfeld. Seit der Veröffentlichung der Raumzuschnitte wächst der Wunsch nach schnellen, konkreten Informationen, wie die Pfarrei der Zukunft denn sein soll, stetig – vor allem mit Blick auf die Themen Vermögen und Strukturen. Je mehr Zeit – bezogen auf den gesamten Synodenumsetzungsprozess – verging, desto mehr Ungeduld, Unverständnis und Wut waren darüber zu beobachten, dass die gewünschten konkreten Informationen nur schleppend bzw. gar nicht gegeben wurden und noch immer vieles offen war. Es fiel auf, dass es Vielen, die im pastoralen Bereich aktiv sind, schwer fällt, diese offene Situation und die damit verbundenen offenen Fragen auszuhalten. Diese Ungeduld bzw. dieses Unverständnis waren ganz besonders bei den Rendezvousveranstaltungen spürbar.

  • Thema Glaubwürdigkeit der Bistumsleitung bzw. fehlendes Vertrauen ins Bistum und seine Prozessgestaltung

    Gerade zu Beginn der Erkundungsphase spielte dieses Thema eine große Rolle und ist womöglich ein weiterer Grund dafür, dass sich viele ehrenamtlich Engagierte mit Blick auf ein Mitwirken in der Erkundungsphase eher zurückhaltend gezeigt haben. In Gesprächen und bei Veranstaltungen wurden oftmals Verletzungen und Enttäuschungen aus der Vergangenheit thematisiert, die gerade ehrenamtlich Engagierte mit Blick auf die Themen Beteiligung, Mitbestimmung, Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit erfahren haben. In der Vergangenheit haben viele die Erfahrung gemacht: Sobald es um Entscheidungen, Mitbestimmung und Beteiligung ging (sowohl auf der Bistumsebene als auch vor Ort), wurden sie nicht ernst genommen und gehört, bzw. ihre Gedanken und Ideen schienen keine Relevanz zu haben „und sind in der Schublade verschwunden“. Dem Bistum wurde oftmals nicht geglaubt, dass Mitbestimmung und Beteiligung tatsächlich gewünscht sind. Daher standen einige dem Konzept der Erkundungsphase, das auf Beteiligung aus war, eher skeptisch gegenüber – auch verbunden mit der Frage, was mit den Ergebnissen der Erkundungsphase geschieht und welche Relevanz sie haben. Sie wollten sich nicht erneut für etwas einbringen, das „wieder in der Schublade verschwindet“. Das hatte Auswirkungen auf die Bereitschaft, sich als Miterkunderin oder Miterkunder einzulassen.

  • Fehlende Wertschätzung und Anerkennung

    Eng verbunden mit dem vorherigen Punkt sind die Themen Umgang miteinander, Wertschätzung und Anerkennung im kirchlichen Bereich. Der „verordnete“ Abschied von „Altem“, „Bisherigem“ und „Liebgewonnenem“ im Rahmen des Synodenumsetzungsprozesses wird oftmals auch als fehlende Wertschätzung und Anerkennung wahrgenommen. Ganz besonders wird dies mit Blick auf die „Abschaffung“ der bisherigen Rätestruktur deutlich. Sie wird als fehlende Wertschätzung und Anerkennung von Seiten der Bistumsleitung gegenüber den Mitgliedern der Räte gesehen, die in den vergangenen Jahrzehnten eine Fülle an Aufgaben übernommen und einen wertvollen Dienst geleistet haben. Darüber hinaus wurde in Gesprächen immer wieder auch eine Sehnsucht nach mehr Anerkennung und Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement (Dankeskultur) vor Ort deutlich. Auf das Thema Kommunikation gilt es besonders hinzuweisen, verbunden mit der Frage, wie in Zeiten von Veränderungsprozessen und der damit verbundenen (fast täglich neuen) Informationslage miteinander kommuniziert werden kann. Häufig wurde eine schlechte Kommunikation – gerade mit Blick auf den Stand des Synodenumsetzungsprozesses, getroffene Entscheidungen und „Kurskorrekturen“ von Seiten des Bistums – bemängelt. Darüber hinaus konnte aber auch beobachtet werden, dass das Thema Kommunikation grundsätzlich noch eine große Lernaufgabe für die Kirche, auch vor Ort, ist.

  • Kirche in der Pfarrei der Zukunft Bitburg ist vielfältig

    In den Begegnungen, Gesprächen, Kontakten und Recherchen während der Erkundungsphase wurde immer wieder deutlich, wie vielfältig Kirche in der künftigen Pfarrei der Zukunft Bitburg bereits ist. Es gibt eine Vielfalt an kirchlichen Gruppierungen und Einrichtungen. Seien es die vielen ehrenamtlich Engagierten, die sich mit viel Herzblut in den Räten und in Gruppen der Pfarreien und darüber hinaus einbringen, oder die unterschiedlichen kirchlichen Einrichtungen und ihre Dienste in den unterschiedlichsten Bereichen. Es gibt Kooperation „über den Tellerrand“ hinaus, und allen gemeinsam ist, dass sie einen wertvollen Dienst an den Menschen vor Ort und für die Region tun. In Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern kirchlicher Einrichtungen wurde jedoch auch der Wunsch formuliert,

    • ... dass man gerne (stärker) als ein Ort von Kirche gesehen und anerkannt werden möchte (gerade auch in den kirchlichen Strukturen selbst), da sowohl kirchenintern als auch in der Öffentlichkeit oft nicht wahrgenommen wird, dass Kirche mehr ist als Pfarrei und Pastor ( vgl. Kurzdokumentationen 7, 8 und 19);
    • ... dass man sich eine stärkere Vernetzung zwischen Pastoral, den kirchlichen Einrichtungen und der Kommune wünscht, denn thematisch liegen beide sehr oft beieinander und können voneinander profitieren ( vgl. Kurzdokumentationen 4, 7, 8, 11 und 19).

2) Wahrnehmungen von Kirche und Erwartungen an sie aus der externen Perspektive

  • „Die Kirche braucht dringend eine Imagekampagne“ – Glaubwürdigkeit der Kirche

    In mehreren Bezügen wurde (mit Besorgnis) wahrgenommen, dass Kirche zunehmend an Präsenz und Bedeutung verliert. Der Image- bzw. Glaubwürdigkeitsverlust wird neben den Entscheidungen auf regionaler Ebene (unter anderem durch die Entscheidungen des Bischofs mit Blick auf die Raumzuschnitte und Vermögensfragen), aber auch auf einer grundsätzlichen Ebene gesehen. Themen, die in diesem Kontext immer wieder eine Rolle spielten, waren: Ansichten und Positionen der Kirche, die Missbrauchskrise, der Umgang damit und ihre Auswirkungen, sowie Teilhabe an Entscheidungsprozessen, Übernahme von Verantwortung vor Ort und Nähe und Präsenz der Kirche bei den Menschen – gerade im ländlichen Raum. Außerdem wird in diesem Kontext kirchlicher Dialog bzw. kirchliche Kommunikation als eine Direktive „von oben nach unten“ wahrgenommen und nicht als beteiligungsorientierter Gesprächsprozess. Vgl. Kurzdokumentationen 6, 10, 15, 16, 17 und 18.

  • Verbindlichkeit in Ansprechpartnern, Personen, Orten und Gottesdienstzeiten

    In Zeiten, in denen sich die kirchlichen Strukturen verändern werden, braucht es eine Verbindlichkeit in Ansprechpartnern, Personen, Orten und Gottesdienstzeiten. Auch und gerade in Krisen- und Notsituationen braucht es eine Verbindlichkeit von Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern, an die man sich wenden kann und die auch erreichbar sind. Vgl. Kurzdokumentationen 4, 6, 15, 16, 17 und 18.

  • Rolle der Kirche in den Dorfentwicklungsprozessen

    Eine Wahrnehmung im Rahmen des „Zukunfts-Check Dorf“ war, dass Kirche als Institution in den jeweiligen Prozessen vor Ort oftmals nicht erkennbar war und ist bzw. fehlt. In den Arbeitsgruppen, insbesondere im Bereich „Soziales“, arbeiten zwar viele kirchlich engagierte Personen mit, allerdings sehen sie sich in diesem Zusammenhang nicht als Vertreterin bzw. Vertreter von Kirche. Eine stärkere Beteiligung von Seiten der Kirche als Institution vor Ort wäre laut den Verantwortlichen wünschenswert. Vgl. Kurzdokumentation 5.

  • Bistumsschulen

    In Gesprächen mit kommunalen Vertretern wurde rückgemeldet, dass die Bistumsschulen in der Öffentlichkeit oftmals als „Eliteschulen“ wahrgenommen werden. Es wurde rückgemeldet, dass eine stärkere diakonische Ausrichtung – auch mit Blick auf die Auswahl der Schülerinnen und Schüler – doch das maßgebliche Auswahlkriterium einer kirchlichen Schule sein müsse. Vgl. Kurzdokumentationen 6, 15 und 16.

  • Ökumene / Kopten

    Im Rahmen der Erkundungsphase gab es auch Kontakte zur koptischen Gemeinde in Bitburg. Ein Vertreter der Gemeinde hat an einer der Rendezvous-Veranstaltungen teilgenommen. Darüber hinaus war das Erkundungsteam auch zur Einsegnung der neuen koptischen Kirche in Bitburg durch Papst Tawadros II. eingeladen. Im Gespräch mit den Gemeindemitgliedern wurde deutlich, dass sie an einer stärkeren Kooperation mit der katholischen Kirche interessiert sind – vor allem im Bereich der Jugendarbeit.

  • Kommune und Kirche

    In den Gesprächen mit dem Landrat und den Bürgermeistern der Stadt Bitburg sowie der Verbandsgemeinden Bitburger Land, Speicher und Südeifel wurde deutlich, dass die Kommunen ein hohes Interesse an einer guten Kooperation mit der Kirche haben, da beiden Bereichen die Sorge um die Menschen vor Ort gemeinsam ist. Über bestehende gute und intensive Kontakte und Kooperationen hinaus wurde der Wunsch geäußert, die Zusammenarbeit weiter stärken, ausbauen und verknüpfen zu wollen (z. B. regelmäßige Gespräche mit dem künftigen Leitungsteam). Neben der Sorge, dass die Kirche durch die Größe des Raumzuschnittes der Pfarrei der Zukunft an Präsenz verliert, wurde in den Gesprächen auch immer wieder thematisiert, dass den Menschen innerhalb der kirchlichen Strukturen mehr Mitbestimmung und Mitgestaltung vor Ort ermöglicht werden müsse. In diesem Zusammenhang erfolgten immer wieder auch – gerade mit Blick auf die kirchlichen Einrichtungen – positive Rückmeldungen. Mit ihrem Dienst sowie ihren Projekten und Initiativen, die teilweise auch in Kooperation mit der Kommune stattfinden, leisten sie einen wertvollen Beitrag für die Region. Vgl. Kurzdokumentationen 6, 15, 16, 17 und 18.

3) Themen, die unabhängig von Kirche den Raum prägen und die Menschen beschäftigen

  • Kommunale Entwicklung

    Bei dem Gebiet der Pfarrei der Zukunft Bitburg handelt es sich hauptsächlich um einen sehr ländlich geprägten Raum mit den Grundzentren Speicher und Irrel sowie dem Zentrum Bitburg. Daher spielen dort auch verschiedene Entwicklungsperspektiven und Herausforderungen eine Rolle. Für Bitburg ist das die Stärkung und der weitere Ausbau der Stadt, für den ländlichen Raum das Thema Dorfentwicklung (Stärkung der Dörfer und Leben auf dem Land), um einer Landflucht entgegen zu wirken. Zu dem Themenkomplex zählen in manchen Orten auch die Auswirkungen der Nähe zu Luxemburg. Mancherorts gelingt es nur schwer, den durch die Grenznähe bedingten Zuzug gut in die bestehenden Dorfgemeinschaften zu integrieren. Vgl. Kurzdokumentationen 5, 6, 15, 16, 17 und 18.

  • Leben im Alter im Bereich der Pfarrei der Zukunft Bitburg

    Eng mit dem vorherigen Themenkomplex verbunden ist das Thema Leben im Alter auf dem Land. In den Dörfern ist die Situation oftmals so, dass dort viele ältere (hochbetagte) Menschen alleine in einem großen Haus leben. Bei vielen älteren Menschen herrscht eine große Unsicherheit und Angst, weil sie nicht wissen, wie es für sie weitergeht, zumal oftmals auch keine Angehörigen in der Nähe sind. Durch Pflegedienste diverser Anbieter ist eine häusliche Pflege / Betreuung gewährleistet. Nicht zu unterschätzen sind in diesem Zusammenhang jedoch die Themen Sprachlosigkeit (sich jemandem anvertrauen zu können über die gesundheitliche Situation und bezüglich Gedanken, Befürchtungen, Wünschen zum Thema Sterben und Tod), Vereinsamung, soziale Teilhabe und Unterstützung / Hilfe bei alltäglichen Aufgaben. Ausbaufähig wäre in diesem Zusammenhang eine Art Nachbarschaftshilfe für diese Zielgruppe. Außerdem spielt für ältere Menschen im ländlichen Raum das Thema Mobilität eine große Rolle.

    Es ist jedoch auch eine andere Tendenz zu beobachten. Viele verkaufen ihre Häuser und Betriebe und erwerben oder mieten sich eine Wohnung in den Grundzentren, um gut im Alter leben zu können – das zeigt sich beispielsweise in Bitburg und Irrel. Vgl. Kurzdokumentationen 6, 10, 13, 15, 16 und 17.

  • Situationen von Familien und ihre Herausforderungen

    Im Gespräch mit der Familienbildungsstätte, mit den Standortleitungen und der Gesamtleitung der Kita gGmbH sowie mit der Krankenhausoberin und der Krankenhausseelsorgerin wurde der immer größer werdende gesellschaftliche Druck thematisiert, der auf den Familien lastet. Benannt wurden unter anderem: Der Druck der Familien, alles „unter einen Hut zu bekommen“, ihre Kinder „optimal“ zu fördern sowie Zeit – immer weniger werdende Zeitkapazitäten nur für die Familie und fehlende Zeit, um Termine wahrnehmen zu können (z. B. Elternabende). Diese Beobachtung hängt oft mit der darauffolgenden zusammen – die Berufstätigkeit der Eltern. Diese ist verbunden mit dem Thema der Betreuung der Kinder in freien Zeiten / Ferien. Immer mehr Familien haben keine Familienangehörigen in der unmittelbaren Nähe, die entlasten können bzw. Betreuung der Kinder übernehmen könnten. Darüber hinaus wurde rückgemeldet, dass ein immer größer werdender Bedarf bei Familien rund um das Thema praktische Hilfen und Unterstützung für die Alltagsbewältigung wahrgenommen wird.

    Eine ausführlichere Darstellung der Wahrnehmungen rund um das Thema Familie befindet sich in den Kurzdokumentationen 4, 8 und 11.

  • Jugendliche / junge Erwachsene

    In Verbindung mit der bereits vorhandenen Jugendstudie Waldemar Vogelgesang und Luis Kersch: Eifeljugend heute, Leben in der urbanisierten Provinz, Marburg 2017, die im Landkreis Bitburg-Prüm durchgeführt wurde, kann die exemplarisch durchgeführte Erkundungsaktion an der St. Matthias Schule und der Theobald Simon Schule weitere Aufschlüsse dazu geben, wie junge Menschen im Raum Bitburg ihren Alltag gestalten bzw. wo sie ihre Zeit verbringen. Viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die in Bitburg zur Schule gehen, legen weite Wegstrecken von ihrem Zuhause zur Schule zurück. Freie Zeit wird hingegen, neben „Hotspots der Jugend“ am Wochenende, in den Heimatorten bzw. bei Freunden verbracht.

    Eine ausführlichere Darstellung der Wahrnehmungen rund um das Thema Jugendliche / Junge Erwachsene befindet sich in den Kurzdokumentationen 3 und 9.

  • Ehrenamtliches Engagement

    Neben den Begegnungen mit ehrenamtlich Engagierten im Rahmen der Rendezvous-Veranstaltungen und der Miterkundertreffen gab es auch einen Kontakt mit dem ehrenamtlichen Leitungsteam des Hauses der Begegnung in Irrel, durch den wichtige Perspektiven mit Blick auf ehrenamtliches Engagement aufgezeigt wurden.

    Diese Perspektiven werden in Kapitel 2 C bzw. in der Kurzdokumentation 13 weiter ausgeführt.

  • Klima, Schöpfung, Landwirtschaft

    Beim ersten Miterkundertreffen wurde das Thema Klima, Schöpfung, Landwirtschaft eingebracht, da die Landwirtschaft im Raum Bitburg eine sehr große Rolle spielt. Zu Beginn der Erkundungsphase, im Frühjahr / Frühsommer 2018, erhielt das Thema eine ganz besondere Brisanz. Die starken Regenfälle und Überschwemmungen hatten große Auswirkungen auf die Landwirtschaft im Raum Bitburg. Aufgrund von fehlenden zeitlichen Ressourcen des Erkundungsteam konnte dem Thema während der Erkundungsphase leider nicht mehr in Form eines eigenen thematischen Miterkundertreffens, wie ursprünglich vereinbart, nachgegangen werden.

  • Tierschutz

    In einem Gespräch wurde darauf aufmerksam gemacht, dass man im Bereich des Tierschutzes auf viele Personen trifft, die keinen Bezug zur Kirche haben (sei es mit Blick auf ehrenamtliches Engagement, Tierbesitzerinnen und Tierbesitzer, Mitarbeit ende in Tierschutzeinrichtungen, etc. …). Das bringt die Möglichkeit mit sich, mit Menschen außerhalb von Kirche ins Gespräch zu kommen, zumal in diesem Bereich oftmals existenzielle Nöte und Sorgen von Tierbesitzern sichtbar werden, wie zum Beispiel, dass Tiere oft die einzigen Sozial- und Kommunikationspartner sind und helfen, den Tagesablauf zu strukturieren. Darüber hinaus wäre durch ein Engagement der Kirche im Bereich Tierschutz – auf Grundlage der Schöpfungstheologie – auch eine Vernetzung mit Personen und Gruppierungen möglich, die sich zum Wohle der Tiere (als Teil der Schöpfung) engagieren. Neben diesen Beobachtungen wurde auch das Thema Tierbestattungen als ein wichtiges Thema benannt und die damit verbundene Trauersituation von Tierbesitzerinnen und Tierbesitzern, die ihren tierischen Wegbegleiter bzw. Wegbegleiterin verloren haben.

    Vgl. Kurzdokumentation 14.

  • Pflege und medizinische / ärztliche Versorgung (im Alter)

    Im Gespräch mit der Krankenhausoberin und der Krankenhausseelsorgerin und den Gemeindeschwestern Plus ist deutlich geworden, dass die Themen Pflege und medizinische bzw. ärztliche Versorgung im ländlich geprägten Raum der Pfarrei der Zukunft Bitburg von großer Bedeutung sind. Die Gewährleistung ärztlicher Versorgung im ländlichen Raum nimmt immer weiter ab. In diesem Zusammenhang ist unter anderem zu beobachten, dass es immer weniger Hausbesuche der Hausärzte gibt. Ärztliche bzw. medizinische Versorgung fokussiert sich zunehmend auf Bitburg und die Grundzentren.

    Für die Pastoral bieten sich gerade im Kontext der Kranken- und Seniorenpastoral viele Themen, die der Vertiefung und Weiterführung bedürfen. Hier seien beispielsweise die Themen Alter und Einsamkeit genannt sowie das Stichwort Sprachlosigkeit (die Sprachlosigkeit, Diagnosen zu begreifen, sie zu verstehen sowie darüber ins Gespräch zu kommen, was das bei einem auslöst; die Tatsache, dass mit den Angehörigen oft nicht über gewisse Themen gesprochen wird). Des Weiteren zählen dazu die Themen: Pflegende Angehörige, Altersarmut, fehlende Angehörige in der Nähe, fehlende Kommunikationsmöglichkeiten sowie Sterbe- und Trauerbegleitung. In diesem Zusammenhang wäre es auch interessant, der Frage nachzugehen, welche Rolle Kirche, über die bisherige Form der Krankenhausbesuchsdienste der einzelnen Pfarreien hinaus, übernehmen kann bzw. welche neuen Formen entwickelt werden können, um kranke und / oder alte Menschen in ihrer Situation zu begleiten.

    Vgl. Kurzdokumentationen 10 und 11.

Besondere Erfahrungen und „Fundstücke“, von denen Kirche lernen kann

Haus der Begegnung und Initiative „Hand in Hand“ in Irrel

Besonders hervorgehoben werden soll an dieser Stelle das Haus der Begegnung und die Initiative „Hand in Hand“ in Irrel. Dieses Gespräch hat das Erkundungsteam nachhaltig begeistert und inspiriert, da dort ganz viel von dem, was die Synode möchte, erlebbar und erfahrbar wurde. Hier wurde ein sehr hohes Maß an Motivation und Begeisterung für die Sache vor Ort wahrgenommen. Darüber hinaus wird dort deutlich, was alles möglich wird, wenn man Menschen vor Ort den Freiraum zum eigenen Gestalten und Wirken gibt – kombiniert mit der Erkenntnis, dass sich Menschen vor Ort einbringen und engagieren, wenn es eine konkrete Bedeutung für sie und ihr Leben vor Ort hat. Das erfordert jedoch auch eine (hauptamtliche) Begleitung im Hintergrund, die ermutigt, fördert, unterstützt und den Beteiligten Freiraum zum Gestalten und Wirken lässt und eine „Dankeskultur“ im Blick hat.

Eine ausführlichere Darstellung befindet sich in Kurzdokumentation 13.

Gemeindeschwestern Plus

Im Gespräch mit den Gemeindeschwestern Plus war es interessant zu hören, dass sie, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen und heraus zu finden, wie es ihnen geht, was ihnen auf dem Herzen liegt und was ihre Bedarfe sind, zu den Menschen gehen, in ihre Bezüge hinein (in die Häuser, zu Seniorennachmittagen, …). Dies tun sie anhand eines Mediums (der sogenannten SOS-Dose), das ihnen hilft, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Eine ausführlichere Darstellung befindet sich in Kurzdokumentation 10.

Ausblick: Hinweise und Perspektiven

Die in den vorherigen Kapiteln geschilderten Themen, Wahrnehmungen, Spannungsfelder und Fundstücke bieten alle eine gute Möglichkeit – sofern das nicht bereits der Fall ist – zum Anknüpfen, um Kirche vor Ort weiter zu gestalten und zu entwickeln. Sie sind mit der durch die Bistumssynode aufgeworfenen Grundfrage verbunden: Wozu sind wir Kirche (vor Ort, in der Pfarrei der Zukunft, im Bistum), und was ist im Sinne des Evangeliums unser Auftrag? Einige der Kurzdokumentationen enthalten konkrete Hinweise und Perspektiven zu möglichen Anknüpfungspunkten. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle die Kurzdokumentation Nr. 1 „Erste Schritte ins Erkunden“ mit den zugehörigen Anlagen. Dort veranschaulichen die Ergebnisse der Workshops der Einstiegsveranstaltungen konkrete Orte, Themen und Personen sowie weitere Hinweise, über die Kontakte hinaus, die das Erkundungsteam aufgenommen hat. Dieser Pool an Informationen und Hinweisen bietet noch viele Möglichkeiten der Vertiefung und zu eigenständigen, weiterführenden Erkundungen – für den Zeitraum des Übergangs in die Pfarrei der Zukunft und darüber hinaus, um die Erkenntnisse bei der pastoralen Ausrichtung der Pfarrei der Zukunft zu berücksichtigen.

In diesem Kapitel möchte das Erkundungsteam – basierend auf eigenen Erfahrungen und O-Tönen während der Erkundungsphase – einige Hinweise und Perspektiven aufzeigen, die helfen können, den weiteren Weg der Veränderung zu gestalten bzw. Erkundung als Haltung einüben zu lernen.

  • Was heißt Kirche eigentlich für mich?

    Kirchenbilder können ein Verständnisschlüssel dafür sein, warum es vielen schwer fällt, den Synodenumsetzungsprozess nachzuvollziehen bzw. warum die Gemüter teilweise so erhitzt sind. Da das Bistum mit der Idee der Pfarrei der Zukunft ganz neue Wege geht, ist klar, dass damit auch viele Menschen, die ein anderes Bild von Kirche haben, verschreckt und verärgert sind. Ein Austausch und Dialog über die je eigenen Kirchenbilder wäre daher sicherlich eine Möglichkeit und Chance, die Menschen (innerhalb der kirchlichen Bezüge) mit auf den Weg der Veränderung zu nehmen und darüber ins Gespräch zu kommen, was einem an der Kirche wichtig, liebens- und bewahrenswert ist. Es gab im Rahmen der Erkundung auch Begegnungen mit Menschen, die (vorsichtige) Hoffnungen in den Veränderungsprozess setzen und für die Kirche nicht (mehr) anders denkbar ist als in Form dieser Haltungsänderung.

  • Mut zu mehr Dialog auf Augenhöhe und Transparenz!

    Dialog auf Augenhöhe und Transparenz spielen eine zentrale Rolle bei der Frage, wie es gelingen kann, dass die Ängste der Menschen vor Ort nicht überhand gewinnen und sie  mitgenommen werden können.

  • Da, wo gut kommuniziert wird, laufen die (Veränderungs-)Prozesse besser!

    Kommunikation, die eine Anschlusskommunikation ermöglicht, ist das A und O bei Veränderungsprozessen um Ängste abzubauen und Menschen zu beteiligen. Immer wieder wurde deutlich, dass viele Menschen vor Ort sich eine bessere Kommunikation unter- und miteinander wünschen und sie Orte und Foren brauchen, um in einen Austausch mitteinander zu treten.

  • „Aus Fehlern lernt man!“

    Veränderungsprozesse gehen einher mit dem Ausprobieren von Neuem. Der offene und konstruktive Umgang mit Fehlern und Scheitern ist ein wichtiger Faktor für eine Weiterentwicklung. Dazu gehört auch, barmherzig mit Fehlern anderer umzugehen.

  • „Freiraum geben für neue Ideen“

    Es kann nur dazu ermutigt werden, Neues auszuprobieren und neue Ideen zuzulassen, sie auszuprobieren und sie zu unterstützen. Das erfordert eine (Beg)Leitung, die den beteiligten Personen Freiraum lässt zu gestalten und sich einzubringen, und sie zu unterstützen.

  • Der Blick über den Tellerrand lohnt sich

    Gespräche und Begegnungen mit nicht kirchlichen Personen und Gruppen sind bereichernd und inspirierend. Es braucht Räume, Angebote und Möglichkeiten, in denen diese Erfahrung gemacht werden kann.

  • „Kirche muss dahin, wo die Menschen sind“

    Eine eigene Erfahrung des Erkundungsteams, aber gleichzeitig auch eine Rückmeldung, Ermutigung und Erwartung vieler Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner ist es, dass Kirche sich nicht in sich zurückzieht, sondern sich wieder mehr öffnet und auch an anderen Orten, außerhalb der klassischen Kirchorte, präsent ist. „Raus zu gehen“ zu den Menschen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen – diese „neuen“ Erfahrungen und daraus resultierenden neuen Perspektiven sind unheimlich bereichernd. Nur Mut! Dass die Kirche wieder mehr in Nähe und Begegnung investiert, wird von Kirche auch von externen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern gewünscht und erwartet.

  • „Schön, dass Kirche sich für mich interessiert“

    Diese Aussage ist dem Erkundungsteam immer wieder begegnet. Sie ist ein Resultat davon, wenn Kirche sich stärker aus ihren bisherigen Bezügen hinaus bewegt und an „andere“ Orte geht, sich Menschen zuwendet, die ansonsten häufig nicht im Blick sind. Durch eine sich interessierende Kirche fühlen sich Menschen, Gruppierungen und Einrichtungen „gesehen“.

  • Was gibt es vor Ort schon?

    Im Rahmen einer Weiterentwicklung von Kirche ist es auch ein wichtiger Aspekt – in Anlehnung an die Erfahrungen der kommunalen Entwicklung – herauszufinden, was es vor Ort schon gibt, welche Bedarfe von Menschen geäußert werden, und wo konkret Bedarf ist. Darüber hinaus könnte konkret die Frage gestellt werden: „Was können wir, was andere nicht können? Was zeichnet uns aus?“ (Vgl. Kurzdokumentation Nr. 18).

  • Arbeiten in Netzwerken ist bereichernd und inspirierend

    Vor Ort gibt es viele mögliche Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner, die ähnliche Ziele verfolgen. Hier sind Synergien herzustellen und zu nutzen. Es sollten Möglichkeiten genutzt werden, sich in bestehende Netzwerke zu integrieren, aber auch bei Bedarf selbst Netzwerke auf den Weg zu bringen.

  • Multiprofessionelle Teams erweitern die Perspektive!

    Die multiprofessionelle Zusammensetzung der Erkundungsteams ist ein gelungenes Beispiel für diese bereichernde Art des Arbeitens! Die genannten Hinweise und Perspektiven sollen ermutigen, „einen deutlichen inhaltlichen und strukturellen Einschnitt zu setzen“, das heißt „das Verhältnis von Nähe und Weite neu zu bestimmen und in den Sozialräumen der Menschen aktiv Gemeinde und Kirche zu bilden“ (ABSCHLUSSDOKUMENT DER SYNODE „HERAUSGERUFEN“, TRIER 2016, S. 20)

"Die Erkundungsphase und ihre Ergebnisse sollen dazu ermutigen, Erkundung als Haltung dauerhaft zu etablieren und Kirche in diesem Sinne zu entwickeln."

(VGL. RAHMENLEITBILD FÜR DIE PFARREIEN, STAND 01.10.2019, EBENE I, SEITE 5 –13).